wie angekündigt werde ich mal versuchen unsere Erlebnisse des vergangenen Wochenendes im Form eines Berichtes auf die Tastatur zu klimpern.
Die Idee um Skagen an Wracks zu tauchen hatte ich schon lange im Hinterkopf. Schon öfter habe ich nach Wracks in diesem Gebiet recherchiert und wußte das, dass Seegebiet um Skagen zu den größten Schiffsfriedhöfen weltweit gehört.
Auf unserer Wildschütztour, berichteten dann auch noch Philip und Zille von Ausfahrten mit dem Tauchclub Skawdyk, im Rahmen des jährlichen dänischen Tauchertreffens "Skawdyk". Sie versicherten Beide, dass die Ausfahrten mit dem Schiff "Oberon" unkompliziert waren und riesigen Spass gemacht haben. Also kontaktierte ich den Klub und nach freundlichen Mailkontakt beschlossen wir dort hoch zu fahren. Als Hauptziel war das Wrack der "Buenos Aires" (Truppentransporter, 140m lang, Tiefe 38-23m) ausgewählt worden.
Infos zur Ausschreibung und zum Wrack gibt es im Thread:
http://www.foerdeschlosser.de/viewtopic.php?f=6&t=919
Mit dabei waren: Heinz(Schraube), Ingo(DerOstseetaucher), Philip(philipaushamburg), Samir(SAM), Thomas(Mr.Snake),
Jörg(Kpt.Nemo), Hans-Dieter(Pudding), Jürgen(Jürgen), Thomas(deepspace-9), Günther(deepdark), Jörn(joern_K) und meine Wenigkeit.
Am Freitagabend trafen wir uns gegen 19:00Uhr im "Skagen Kultur og Fritidszentrum " wo wir unsere Zimmer bezogen.
Die 6- und 8- Personenräume waren schlicht mit einigen Doppelstockbetten und einem kleinen Tisch eingerichtet.
Es kamen sogleich Erinnerungen an weit (bei Manchem weiter
Aber für unsere Zwecke war die Unterkunft völlig ausreichend.
Nach dem jeder ein Bett hatte, haben wir im nahen Zentrum zu Abend gegessen und im Clubhaus von Skawdyk den morgigen Tag besprochen. Da der Wind mit Bft.5 aus West vorhergesagt wurde, wußten wir schon das es mit der
Buenos Aires am Samstag wahrscheinlich nichts wird. Die Jungs von Skawdyk schlugen uns einige Alternativen vor,
wobei sich die "Uranienborg" am Besten anhörte.
Gespannt auf den nächsten Tag, ging es dann aber recht schnell nach einem gemeinsamen Bier ins Doppel(stock)bett.
Am nächsten Morgen, nach einem passablen Frühstück, waren wir dann um 09:00Uhr am Schiff verabredet.
Dort angekommen wurden wir von einer netten dänischen Crew begrüsst. Nach dem wir Unmengen an Material auf der "Oberon" verstaut und verzurrt hatten, waren wir positiv überrascht wie viel Platz noch übrig war.
Das Schiff ist bestens für 12 Taucher geeignet. Also auf zu den Wracks. Nach einer Fahrzeit von ca. 1h waren wir an der Position der Uranienborg.
Dieses 85m lange Dampschiff ging 1918 durch einen Minentreffer verloren. Das Wrack liegt auf 24m Tiefe und kommt auf ca. 18m hoch. Durch die Entfernung von nur 5 sm südöstlich von Skagen befand es sich bei SW-Wind noch gerade so in der Landabdeckung und wir konnten dort tauchen.
Die Oberflächenströmung hatte es in sich. Nicht alle von uns erreichten im ersten Versuch die Boje und das Wrack.
Schnell hatte der Skagerak uns gezeigt, das Tauchgänge in dieser Ecke nicht mit Tauchgängen in einem bei Stade gelegenen Süsswassertümpel zu vergleichen sind.
Es hat sich gezeigt, dass minimalistisches Tauchen (ohne Stage und viel Zubehör) bei diesen Strömungen und Tiefen eher zielführend ist.
Am Wrack selber war die Sicht mit ca.7-8m richtig gut. Das Schiff ist bedingt durch das Alter schon teilweise zerfallen.
Das Oberdeck war eingebrochen und die oberen Teile der Bordwände sind nach außen geklappt. Trotzdem war die ehemaligen Schiffstrukturen gut zu erkennen. Der schöne mehrere Meter aufragende Dampferbug war sogar noch intakt.
Interessanter war aber noch der hintere Teil mit dem großen Dampfkessel und den zerfallenen Aufbauten. Überall konnte man mit dem richtigen Blick Details eines schmucken Dampfers erkennen. Jörn erspähte mit geübten Blick ein Bullauge und nach Rücksprache mit den Jungs und Mädels von Skawdyk konnten wir es im 2. Tauchgang bergen. Dazu gesellte sich auch noch ein schönes Messingteil, welches evt. mal eine Lampe oder einen Kleiderhaken verziert hat.
Auch für die Fischgucker war an der Uranienborg viel zu sehen. Überall traf man auf große Dorsche, kleinere Schwarmfischen, Krebse und Muscheln aller Art. Die Bordwände waren teilweise flächig mit großen Anemonen und "Tote Mannshand" Weichkorallen bedeckt. Nach dem Ende eines 70minütigen Tauchganges gab es dann oben an Deck erste Ermahnungen durch die Crew. Wir hatten als max.Tauchzeit 60min angegeben und das aufmerksame dän. Oberflächensupportteam unter Leitung von Britt machte sich ernsthafte Sorgen um uns. Ok, jetzt wußten wir, hier wird Wert auf das Befolgen der Regeln gelegt, was ja auch gut ist. Über das ganze Wochenende verteilt gab es leider noch die Ein-oder Andere kleinere Missachtung der Regeln durch uns, welches jedesmal von der Crew gerügt wurde.
Auch der zweite Tauchgang an der Uranienborg war klasse und das Händeln der nachgelassenen Strömung war durch eine Leine von der Oberon zur Boje ein Kinderspiel.
Gegen 18:00Uhr waren wir zurück im Hafen und am Tauchklub. Dort wollten wir unser Nitrox für den 2.Tauchtag vorbereiten. Leider spielte die Konstant-Flow-Anlage nicht mit. Dank teilender Tauchkameraden bekam, dann aber jeder
noch einen Schluck Sauerstoff aus div. Stages, so das die Meisten von uns ihr Wunschgas für den Sonntag hatten.
Müde und kaputt vom anstrengenden Tauchtag trafen wir uns anschließend wieder im "Jakobs Cafe" zum essen um dann anschliessend todmüde in die Koje zu fallen.
Am Sonntag wieder Treffen um 09:00Uhr im Hafen. Das Wetter machte mit kaltem nassem Nebel einen ungemütlichen Eindruck. Die Crew allerdings meinte, heute geht es mit der Buenos Aires. Die Fahrt zur Position dauerte gute 90min. Wir hatten leichten Seegang, aber das Wetter besserte sich stündlich.
Am Wrack angekommen stellten wir zur unserer Überraschung fest, daß wir so gut wie keine Strömung hatten.
Die Buenos Aires empfing uns mit mäßiger Sicht (ca.3-4m). Aufgrund der Grösse, der Sicht und der teilweise eingestürzten Schiffstrukturen war das Wrack sehr unübersichtlich. Ohne Reel hätten wohl wenige von uns die Aufstiegsleine wieder gefunden. Mit der Geschichte im Hinterkopf herrschte eine unheimliche Stimmung am Wrack. Wir sahen sehr viele Details wie z.B. Reste der transportierten Wehrmachtausrüstung. So schwebten wir über Stiefel, Gurtzeug, Pferdeknochen und Teilen
von Fahrzeugen. Leider war verging die Grundzeit (ca. 30-40min) viel zu schnell.
Trotz 2 Tauchgängen haben wir bei diesem Wrack nur an der Oberfläche gekratzt. Um das Schiffsrelikt zu verstehen, sind sicher noch viele Tauchgänge dort nötig. So ein Mist, wieder ein Wrack mehr mit dem ich noch nicht fertig bin.
So gegen 18:30 waren wir bei herrlichem, blutroten Sonnenuntergang über Nordjütland wieder im Hafen und machten uns nach herzlicher Verabschiedung und dem Versprechen wieder zu kommen auf dem ca. 4-5 stündigen Heimweg.
Danke an alle die zum Gelingen beigetragen haben, wie z.B. die Crew der Oberon, Günther mit seinen hilfreichen dän. Kenntnissen, den Sauerstoffspendern, Kompressorwächtern u.s.w. .
Viele Grüsse Rocco!
Zu guter Letzt noch eine Anekdote bzw. einen Fauxpas der sich während der Oberflächenpause über der Buenos Aires zugetragen hat.
Beim Essen der leckeren LIDL-Fertig-Bouletten wurden wir von Heinz auf die Verpackung aufmerksam gemacht, mit den Hinweis "Was macht ihr denn da?" Ja, manchmal weiß man halt nicht, ob man lachen darf