auch wir waren Pfingsten fleißig. Am Pfingstsonntag hat der Fährmann an seinem AOWD gearbeitet - jaja. Drei Tauchgänge waren angesagt aber wir kamen erst 1430 los. Folglich musste es der Nahbereich sein.
Also bei bestem Wetter (fast zu schader für Nahbereich) zum
1. Tauchgang: Hermann.
Naja was soll ich viel erzählen. Hermann ist immer noch ein kleiner hölzerner Segler, vielleicht ein Ewer. So genau kann man das aber aufgrund des fortgeschrittenen Zerfallszustandes nicht mehr sagen. Trotzdem mag ich das Wrack sehr gerne, da es immer noch gut bewachsen ist - wenn auch anscheinend nicht mehr so stark wie im letzten Jahr - und weil es meist gut bewohnt ist von teilweise sehr ordentlichen Dorschen.
Nach ungewohnt kurzen 20 Minuten ging es weiter. Aufgrund von Zahnschmerzen bei einem Mittaucher einigten wir uns auf ein möglichst flaches Wrack bzw. eine möglichst flache Wrackstelle.
2. Tauchgang: UBoot-Trümmer am Zollhäuschen.
Erst mein zweiter TG an dieser Trümmerstelle und auch dieses mal ging es um das Luft veratmen. Die Trümmerstelle unterscheidet sich deutlich von der bekannteren Trümmerstelle vor Klevelücke. Es gibt eine sehr markante UBoot-Kuhle aber deutlich weniger, dafür größere Trümmer. Auch liegt kaum Kleinkram herum. Daher ist diese Trümmerstelle wohl nicht so attraktiv.
Ich mag sie allerdings weil normalerweise immer mit einigem Fisch zu rechnen ist. Die üblichen Dorsche und auch alle Arten von Platten. Dieses mal allerdings keine einzige Flosse weit und breit.
Wiederum nach 20 Minuten ging es wieder an Bord und dieses mal habe ich eine Flasche "Gordnon's Dry Gin" aus London, England mitgebracht - so jedenfalls nach Flaschenprägung.
Wir verholten uns nur einige hundert Meter, um noch einmal ein wenig zu wühlen, abermals nur in zahnschmerzfreundlichen Tiefen.
3. Tauchgang: UBoot-Trümmer Klevelücke.
Mein Hausriff mal wieder. Nach der Enigma zu suchen lohnt sich ja nicht mehr aber ich würde gerne noch einmal herausfinden, um welches Boot es sich handelte. Wir drehten also unsere Runden zwischen allerlei vorwitzigen Dorschen. Dieses Trümmerfeld war wieder gut besiedelt. In jederm Loch saß jemand und guckte uns an. Naja in fast jedem Loch.
Wegen der fortgeschrittenen Zeit hielten wir uns allerdings wieder einmal nur die PADI-konformen 20 Minuten auf und kehrten dann wie es sich gehört zum Boot zurück.
Nach diesem Tauchgang ging es nach Gelting Mole zurück.
Pfingstmontag wurde sich um 11 Uhr am Boot getroffen. Die Besetzung hatte teilweise gewechselt. Ingo wurde gegen Heinz eingetauscht, Pudding gegen Kersten, Richard war das erste mal an Bord und Zille war auch wieder mit von der Partie, gehört ja inzwischen quasi zum Spirit-Inventar, da er ja auch die Angeltouren öfters begleitet.
Dieses mal wurde ein etwas ehrgeizigeres Ziel ausgegeben: 3 Tauchgänge, Svendborgsund, R222, Tjalk Falshöft. Da wir aber noch 2-4 aus Südost hatten mussten wir jedoch zunächst einmal gucken, wie sich Wind und Welle nach Verlassen der Geltinger Bucht anfühlen würden. Hmmmm was soll ich sagen - fühlten sich wie 23 Knoten an und vor Damp schlief der Wind zwischendurch wieder vollkommen ein.
Nach ca. 45 Minuten kreisten wir dann ohne genaue Position aber mittels Sidescan kurz unser nächstes Zielobjekt ein.
4. Tauchgang: Svendborgsund.
Die Svendborgsund ist ein Kümo, ich würde sagen etwas größer als die Inger Klit. Aber sie liegt auf dem Kopf im Schlamm. Genauer sie liegt so geneigt, dass man die - ähm - alles verkehrtrum... denk nach ... ich würde sagen Backbordseite untertauchen kann. Neben den für Ostseeverhältnisse großen, bewachsenen Flächen von Unterboden und Seiten finde ich, dass dieser 1-3m große Spalt sehr interessant ist. Am Bug kann man ohne Probleme unter dem Schanzkleid hindurch in die offenen Laderäume tauchen. Unter dem Schiff senkt der Schlammboden sich steil in schwarze Tiefen hinab, die zum Penetrieren einladen. Im Gegensatz zu Richard und Zille versuchte ich (depp) oberhalb einer Holzbohle durchzutauchen und blieb prompt stecken. Nachdem ich rückwärts wieder ausgeparkt hatte war die Sicht im unteren Zugang so schlecht, dass ich es mir gespart habe, noch hinterherzugehen. Ich habe den Lampenschein im Laderaum dann von der Seite her unter dem Laufgang begleitet... Erwähnenswert sei noch die Möglichkeit, durch eine offene Tür in einen Gang des Brückenhauses zu gelangen, in dem aber Heinz steckte als ich da vorbeikam. Und die steilen Schlammabbrücke an Bug und Heck. Teilweise 1,5-2m senkrecht hat sich das Wrack mittels Gewicht und Ströung eingegraben.
Also ich kann die EInschätzung, man müsse da nicht so häufig hin, nicht teilen. ich fand es sehr interessant und habe dementsprechend auch konsequent meine Falsche leergenuckelt.
Nach Rückkehr an Bord der Spirit tickerten wir gemächlich gen Norden. Es galt, die Oberflächenpause sinnvoll zu gestalten und so überprüften wir - mehr proforma - eine Wrackposition am Wegesrand. Und sieh da - Treffer. Nicht sehr hoch aber deutlich zeichnete sich ein Wrack auf dem Sidescan ab. Heinz wolle nur mal schnell gucken. Ich lehnte aufgrund der nun schon vier TGs in zwei Tagen dankend ab. Am Ende machten sich alle vier auf und ich blieb allein als Ankerwache zurück.
5. Tauchgang: Tjalk Schönhagen.
Nun dieses sei zunächst ein Arbeitstitel für das unbekannte Wrack. Ich kann hier auch nur die Berichte der Kollegen wiedergeben, die mich einen ausgedehnten Tauchgang lang warten ließen. Ein Holzschiff, wohl eine Tjalk. Mittelschiff stark zerstört, Spantenreihe. Aufbauten teilweise noch stehend, teilweise von einem Netz verdeckt. Nicht klein. Lohnt sich, sich ein weiteres mal umzuschauen.
OK, ist also auf dem Plan.
Wie tuckerten noch weiter nach Norden, da wir nun schon verstärkt Rücksicht auf die Oberflächenpausen nehmen mussten. Vor allem die Tjalk-Besucher. Nachdem wir noch ein Steinfeld per SI vermessen haben, erreichten wir das Räumboot.
6. Tauchgang: R222.
Nun musste ich wieder rein. Schließlich musste ich das Räumboot auch mal anschauen. Also mit Kersten und Heinz hinab. Zille und Richard übernahmen dankend ablehnend die Ankerwache. Das Räumboot - naja. Im Prinzip ein Brückenhaus auf einem komprimiertem Trümmerfeld, dem man mit viel Liebe noch eine Schiffsform ansehen kann. Als erste kam ein zylindrischer Körper in Sicht, der hinten einen runden Kranz an der stromlinienförmigen Verjüngung trug. Ich dachte - OK, keine Sorge - Is n Räumboot. Kein Torpedoboot oder UBoot. Auf das vordere Ende hämmerte unsere Ankerkette bei jedem Wellenschlag ein.
Naja war wohl ein Drucktank und ich war wieder wach.
Also einmal herumgeschaut, das Wrack muss sehr stark beangelt sein. Ich habe eine ganze Hand voll Pilker mitgenommen und hing ständig an irgendwelchen Schnüren fest. Trotzdem fanden sich wie von Rocco und Heinz immer wieder versprochen an den Platten am Heck bzw darunter die angepriesenen großen Dorsche. OK, also auch hier Flossenträger. Zum Schluss machte Heinz mich aber noch auf etwas anderes aufmerksam: Einen knallroten, wie ich fand recht stattlichen Seehasen, der uns kritisch beäugte.
Bald ging es wieder hinauf und da der Wind auf West drehte und in Richtung 4 auffrischte dann auch schnell nach Hause. Ich suchte Landschutz und erreichte die Küste in etwa auf Höhe von Oehe Drecht, wo ich auf der 5m-Linie auf 31 Knoten Marschfahrt beschleunigte. Meine Überfahrtsrinne über den Kalkrund war leider von einem Fischer blockiert wurden, so dass wir noch eine kleine Runde um den Leuchtturm drehen mussten und dann ca. 1900 wieder in Gelting Mole waren.
Alles in allem mit 5 von 6 Tauchgängen eine ordentliche Wochenendausbeute. Und ich muss sagen, ich bin selbst wieder etwas überrascht, was man mit dem Boot alles so machen kann. Mal gucken, was uns als nächste Langfahrt einfällt.
Aber nu is erstmal ein paar Tage Pause. Bilder auswerten, gedrehte videos gucken und so.
Tim