anbei mal einen Tauchbericht, weit weg vom Schlossereinzugsgebiet.
Diesen Sommer führte mich mein Tauchurlaub zum Wracktauchen nach Kroatien (Bericht folgt vielleicht noch)
Da Stephanie schon lange mal Onkel und Tante am Plattensee/Ungarn besuchen wollte, beschlossen wir auf der Rückreise dort Station zu machen und dort ein paar Urlaubstage einzubauen.
Da ich wußte, daß es in Budapest ausgezeichnete Möglichkeiten zum Höhlentauchen gibt, war ich auch sogleich Feuer und Flamme für diesen Plan.
Unter der Stadt existiert das Molnar Janos Höhlensystem, sowie die alte Kalksteinmine Köbiyana, aus der die Steine für die Erbauung der Stadt Budapest stammen.
Mein Plan war es mind. einen, der beiden hochinteressanten Tauchplätze zu besuchen.
Bei dem Taucherstammtisch auf der Boot 2010 (mit Heinz
Die Köbiyana Kalksteinmine existiert schon seit einigen hundert Jahren und ein Großteil der Stadt Budapest ist aus den Steinen der Mine gebaut worden. Das Minensystem hat riesige Dimensionen und besteht größtenteils aus einem trockenem Teil, der sogar mit dem Auto befahrbar ist. Anfang des Jahrhunderts verlor die Förderung von Kalkstein an Bedeutung und die Mine wurde nach und nach stillgelegt. Im zweiten Weltkrieg wurden im Schutz des Berges hier Flugzeugteile für die deutsche Luftwaffe gebaut und der endgültige Abbaubetrieb von Steinen wurde in den 70er Jahren eingestellt (glaube ich). Heute wird der unterirdirsche Minenkomplex z.B. für die Züchtung von Champions und manchmal auch, aufgrund der besonderen Akustik in den teilweise riesigen Hallen, für Konzerte benutzt. Neben dem trockenen Minenbereich sind die tiefere Bereiche der Mine mit glasklaren Grundwasser gefüllt, aus dem sogar Bier gebraut wird. Mein Guide Joszef hatte mit anderen Budapester-Höhlentauchern das Glück, die Stadt als Eigentümer der Mine, davon zu überzeugen die gefluteten
Bereiche den Tauchern zu überlassen. So ist es heute möglich, in Budapest ein natürliches Höhlensystem, nämlich die komplexe Molnar-Janos-Thermalhöhle und ein von Menschenhand geschaffenes Industriedenkmal in Form der Köbiyana-Mine zu betauchen.
Juli, 2011:
Wie schon geschrieben, verbrachten wir auf der Rückreise von der Insel Pag/Kroatien einige Tage am Plattensee.
Ich hatte mir für die TG in der Mine in Kroatien ein 32 Nitrox in das D18 füllen lassen und wollte zusätzlich eine Stage mit Nitox als zusätzlichen Gasvorrat mitführen. Die max. Tauchtiefe in der Mine liegt bei 32m und die durchschnittliche Tiefe auf der man sich bewegt liegt bei ca. 15m. Aber zum Tauchgang:
Vom Plattensee brauchten wir eine gute Stunde Fahrt nach Budapest.
Der Treffpunkt befand sich mitten in der Stadt vor einer Fabrik in dem Stadtteil Köbiyana.
Man würde nie vermuten, wenn man dort steht, das man sich nur ca. 300m Luftlinie von einem erstklassigen Tauchplatz entfernt befindet.
Nachdem wir unter Tage zu unserem ersten Tauchplatz gefahren waren (in der Mine gibt´s 5 verschiedene Tauchplätze)
besprachen wir den Tauchgang und machten uns dann auch direkt ans Ausrüsten.
Der Einstieg war eine kleine Kellertreppe die von den riesigen Dimensionen des Trockenteils der Mine in einen ehemaligen Pumpenraum (über 30m hoch) mit alten Abbauten (Gängen, Abbaustellen) führte.
Schon beim Einstieg faszinierte mich das kristallklare Wasser. Zuerst tauchen wir hintereinander einen schmalen Gang (wie ein Keller) entlang, nach wenigen Minuten öffnete sich dieser in einen großen Raum, in dem sich eine große Metalltreppe in die Tiefe schlängelte. Es ging über mehrere Stockwerke durch Löcher in den eingezogene Decken, wie einem Treppenhaus eines großen Mehrfamilienhauses, in die Tiefe. Auf den einzelnen Stockwerken gab es jede Menge technisches Gerät aus alter Zeit zu bestaunen. Am tiefsten Punkt dieses Treppenhauses befand sich der ehemalige Pumpensumpf und wir befanden uns hier auf der max. Tiefe von 32m. Langsam ging es jetzt wieder nach oben und wir erkundeten beim Aufstieg mehrere Seitengänge die immer wieder in Sackgassen führten. Die Einstiege in dies ehemaligen Abbauten waren sehr eng und mit dem D-18 musste man schon ein wenig drücken und quetschen um überhaupt hinein zu kommen. Allerdings waren diese Nebengänge wunderschön, weil man hier noch Spuren der ursprünglichen Abbauarbeit sehen konnte, während der andere Teil der gefluteten Bereiche eher einen Keller ähnelten. Nach ca. 60min waren wir dann zurück am Einstieg und ich war begeistert. Während der Oberflächenpause fuhren wir zum Einige 100m weiter zum nächsten Einstieg und Joszef zeigte mir noch einige interessante Ecken des Trockenteiles der Mine.
Der zweite Tauchgang sollte ähnlich beginnen. Allerdings befand sich der Einstieg schon diesmal direkt in einem großen Raum der wieder eine Treppenhaus Richtung Pumpensumpf beherbergte. Wieder ging es erst mal hinab auf die maximale Tiefe, bisher ähnelte alles dem 1. Tauchgang. Dann aber in einem Seitengang änderte sich das Gesicht der Mine. Wir befanden uns in einem ca. 1,5m breiten, aber dafür bestimmt 15-20m hohen Gang den wir etliche Minuten folgten und der dann wieder in einem riesigen Raum endete. Durch die weißen Kalksteinwände wirkte alles sehr hell und es macht wirklich viel Spass hier zu tauchen. Die seitlichen Gänge des Systemes sind alle vernünftig verleint. In den Großen Räumen dienen Treppen oder ehemalige Handleisten an den Wänden als Orientierung. Es liegen geringe Mengen schwarzer Schlamm in einigen Bereichen des Komplexes. Dieser stammt angeblich von der Championzucht im Trockenbereich. Bei vorsichtigen Tarieren bleiben aber die Sichtweiten perfekt und und die Gefahr eines kompletten Sichtverlustes schätze ich aufgrund der Größe der Räume als relativ gering ein. Auch diesmal waren wir nach ein wenig mehr, als einer Stunde wieder aus dem Wasser. Den Abend habe ich dann selbstverständlich mit einer Flasche Köbiyana-Pils gebraut aus dem klaren Wasser der Mine
ausklingen lassen.
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Die Stadt Budapest ist für Taucher also wirklich eine Reise wert. Sicher sind die Tauchplätze nichts für Anfänger, aber der geneigte Höhlenkrabbler kommt sicher auf seine Kosten. Es macht Sinn einen Ausflug dorthin mit einem Besuch der Molnar Janos Höhle zu kombinieren, da Diese sicher das bekanntere und vielleicht noch interessantere Tauchziel darstellt.
Die Frage der benötigten Ausbildung für Tauchgänge in beiden Systemen ist vorher mit Joszef oder seinen Freunden zu klären. Ansonsten sind die freundlichen, ungarischen Taucher für einen angemessenen Obolus jederzeit bereit, auch
norddeutsche Taucher durch die Unterwelt von Budapest zu führen.
Viele Grüsse Rocco
Und zum Schluß ein schickes Video der Molnar Janos Thermalhöhle:
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