in den letzten Wochen existierte bei uns im Forum eine nicht öffentliche Gruppe bzw. Thread mit dem Namen "Organisation". Dieser Thread war nur für einige Schlosser sichtbar und in ihm, ging es um die Organisation einer Tauchtour zum Arendsee in der Altmark (auf halber Strecke zwischen Hamburg und Berlin). Die Tour stand im Dienst der Wissenschaft und sollte helfen ein mittelalterliches Prahmwrack wieder zu finden. Die Organisation erfolgte durch Harald (Schraubes Bruder). Bei uns im Forum wurde dieses Projekt ursprünglich von Heinz (Schraube) angeschoben. Deshalb war es aus unserer Sicht auch so wichtig, diese wirklich spannende und tolle Aktion zu Ende zu bringen. Bitte seid nicht böse wegen der Existenz einer nicht öffentlichen Tourplanung, aber leider waren nur begrenzt Plätze vorhanden und Teilnehmer waren im Endeffekt die Leute, die Heinz per PN um Teilnahme gebeten hatte.
Vorgeschichte
In der Mitte der 90er Jahre entdeckten die einheimische Taucher und Arendseeveteranen,
Hans-Henning und Hartmut Schindler, vor dem Kloster Arendsee in 34m Tiefe das Wrack eines mittelalterlichen Fahrzeuges.
Eine spätere Untersuchung des Fahrzeuges durch Archäologen ergab, dass es sich um ein Prahmwrack von 12,3m Länge und 2,3m Breite handelt. Das Holz aus dem das Gefährt erbaut wurde, stammt aus dem Jahre 1265.
Bei einer Erkundung des Wrackumfeldes mit einem ROV (Remotely Operated Vehicle),
wurden durch Hans-Henning zwei weitere Wracks ausgemacht, von denen Eines auch ein mittelaltlicher Prahm mit Ladung sein sollte. Bei dem zweiten gesichteten Wrack, soll es sich um ein kieloben liegendes Boot vermutlich jüngerer Geschichte handeln. Leider gingen die Videodaten des ROV verloren und es gab nur unsichere Anhaltspunkte über Tiefe und Lage der Wracks.
Einige Zeit später entstand die Idee diesen Informationen näher auf den Grund zu gehen.
Da Harald schon mit der lokalen Archäologin Fr. Dr. Leineweber bei der Untersuchung eines
mehrere 1000 Jahre alten Fischzaunes erfolgreich zusammengearbeitet hatte, wurde auch die Planung der Suche nach den beiden verschollenen Wracks zusammen angegangen.
Die Idee von Harald, Sporttaucher für die Suche nach den Wracks zu begeistern, wurde von
Heinz angenommen und schnell stellte er über unser Forum eine kleine Truppe von Leuten zusammen, die einer Suche mit längeren Grundzeiten in Tiefen zwischen 30m - 45m nicht abgeneigt waren.
Dann geschah das Unfassbare. Haralds Bruder und unser guter Freund Heinz verstarb ganz plötzlich am 18. Juli diesen Jahres.
Damit war das Arendseeprojekt erst einmal aus unseren Köpfen und wurde nicht weiter verfolgt. Nach einigen Monaten der Trauer und der Besinnung, wurden dann aber erste Stimmen derer laut, die dieses Projekt nicht aufgeben wollten. Auch Harald entschloss sich trotz des Verlustes, die Sache weiter zu verfolgen und damit konnte die Organisation beginnen.
Das Wochenende 25.-27.11.2011
Endlich war es soweit. Die Aktion konnte beginnen. Die Teilnehmer, Aufgaben und die mitzubringende Ausrüstung standen fest. Mit dabei waren die Fördeschlosser Harald, Noorgardholzer (Tim), Deepdark (Günther), Tauchsieder (Rainer), Robert, Philip aus Hamburg, JoernK, Zille (Thomas) und Rocco. Mat, alias Submatix, mußte leider kurzfristig absagen.
Die Anreise unserer Truppe erfolgte am Freitagabend, unter Umfahrung des Wendlandes (Castor), mehr oder weniger spät.
Nach der Ankunft wurde der Tauchclub Arendsee besucht und einige Artefakte aus dem See bewundert. Anschließend haben wir im deutschen Haus gegessen und dann in unserer gemütlichen Unterkunft auf Tim und Günther gewartet.
Erst gegen 00:30Uhr fuhren die beiden mit der Spirit im Schlepptau vor. Damit war unser wichtigstes Arbeitsgerät inkl. Bootscrew auch vor Ort. Prahmsuche
Nach einem erstklassigen Frühstück in unserer komfortablen Unterkunft machten wir uns auf den Weg zum See, um dort mit Hilfe des Betreibers der Seeterasse (Restaurant mit ertklassigen Eis), die Spirit zu trailern.
Das trailern war aufgrund der Länge des Bootes und des niedrigen Wasserstandes nicht so einfach. Aber so ein Traktor lässt sich auch nicht von der "Spirit" einschüchtern. Fragt sich nur wer mehr PS hatte.
Der zweite noch unbekannte Prahm, sollte in 34m Tiefe in ca. 40m Entfernung zum schon erforschten Prahm liegen und das kieloben liegende Boot sollte sich in diesem Gebiet auf 38m befinden.
Ausgangspunkt für die Suche war der schon bekannte Prahm in 34m Tiefe. Dort setzten wir als erstes eine Boje und selbst dies stellte sich als nicht so einfach heraus, da das Echo des Prahmes sehr schwach war. Beim späteren Tauchgang wurde mir auch klar warum. Die Wrackteile schauten max. 30cm aus dem weichen, schlickigen Grund und konnten nur in Richtung des abfallenden Seegrundes ein Sonarecho erzeugen.
Nachdem der Prahm markiert war, konzentrierten wir uns auf die Suche im Umkreis von 300m und einem Tiefenbereich von 30-45m. Das Sidescan war hier aufgrund der Tiefe an der
Leistungsgrenze. Nach ca. einer Stunde hatten wir das Gebiet abgesucht und noch eine Anomalie mit einer Boje gekennzeichnet. Mangels eindeutiger Sonarechos mussten wir jetzt also mit der mühevollen Suche Unterwasser beginnen.
Philip und Robert begannen mit einer Fotodokumentation des bekannten Prahmes und anschließend begannen sie damit, den Hang bzw. abfallenden Seegrund östlich des Fahrzeugs zu erkunden. Die Gruppe Rainer und Thomas stürzte sich zur Untersuchung, einer von uns markierten Anomalie, in die dunklen Tiefen. Nach ca. 60-70min kamen die beiden Tauchteams wohlbehalten zum Ufer zurück und berichteten von guten Sichtweiten (ca. 5m) unterhalb der Sprungschicht. An der von Rainer und Thomas untersuchten Anomalie befand sich ein größeres Holz/Aluteil, welches evt. von einem der in den See gestürzten Flugzeuge (JU52 und ME109) stammen könnte. Auch Philip und Robert waren nicht faul und brachten eine volle Speicherkarte mit Fotos vom bekannten Prahm mit. Fürs Erste nicht schlecht, aber leider noch kein neues Wrack. Als nächstes machten Jörn und ich einen Tauchgang. Genauso wie Philip und Robert tauchten wir am bekannten Prahm ab, um den westlichen Bereich des Wracks zu untersuchen.
Das ca. 700-800Jahre alte Wrack war erstaunlich gut erhalten und wirkte in dem weichen Grund und schwarzen Wasser sehr geheimnisvoll. Die Sicht war noch erstaunlich gut (danke Philip und Robert fürs umsichtige tarieren). Jörn schoss auch einige Bilder und dann machten wir uns auf die Suche nach den anderen Fahrzeugen. Leider fanden wir auch westlich des Wracks, bis auf einen markanten Baumstamm, nichts. Nachdem auch wir wieder das Tageslicht erblickten und Tim das Boot an einen sicheren Nachtliegeplatz verlegt hatte, gab es in den Seeterassen leckeres selbstgemachtes Schokoeis in vielen verschiedenen Kreationen und einen heißen Kaffee.
An dieser Stelle muß gesagt werden, dass die Betreuung in Form von Mahlzeiten, Kaffee, Eis und Unterkunft das ganze Wochenende echt stark war. Dafür noch mal ein Dankeschön an Rosemarie Leineweber, Ulf Meyer und Harald.
Anschließend ging es mit der ganzen Truppe wieder in´s Deutsche Haus zum Abendessen,
um danach den Abend bei leckeren, bayerischen Bier und vielen interessanten Gesprächen ausklingen zu lassen.
Am Sonntag stand dann noch mal Wracksuche auf dem Programm. Diesmal suchten wir in 2 Gruppen nochmals die Umgebung des bekannten Wracks ab. Wir versuchten Bereiche abzudecken, die am Vortag noch nicht betaucht wurden. Aber leider entdeckten wir bei wesentlich schlechterer Sicht, auch hier wieder nichts.
Fazit
Es war ein tolles Wochenende mit interessanten Erfahrungen und netten Menschen, aber auch schmerzlichen Erinnerungen. Irgendwie war Heinz immer gegenwärtig und es wäre nur zu schön gewesen, wenn er hätte dabei sein können.
Leider war die Wracksuche nicht erfolgreich, aber es kann gesagt werden, dass sich diese Wracks definitiv nicht in dem beschriebenem Bereich (34m Tiefe, ca.40m Entfernung) befinden.
Aus archäologischer Sicht wurde uns versichert, dass sich die ganze Aktion schon aufgrund der Fotos vom bekannten Prahm gelohnt hat.
Besonderen Dank haben natürlich Rosemarie Leineweber und Harald für die Organisation und Tim und Günther für die "Spirit" verdient. Link Zeitungsartikel Volksstimme: http://www.volksstimme.de/nachrichten/l ... rahms.html
Viele Grüsse
Rocco
[EDIT] Hier die Zeitungsberichte zu der Aktion / Tim [/EDIT]