Binnen einer Woche regelte ich die Finanzierung und fand auch tatsächlich das Wohnmobil meiner Träume, 5 Jahre alt, mit durchgehender Heckgarage für ausreichend Stauraum, Heckkamera, Fernseher, Backofen und einem herrlichen Bett mit Federkernmatratze! Vom Wohnmobilhändler bekam ich als Geburtstagsgeschenk einen fairen Preis und ein Camping-Klapp-Fahrrad dazu.
Ein Blick auf die Karte – seit der Boot im Januar lag ein Flyer vom Flusstauchen in der Traun auf meinem Schreibtisch und hatte mich jeden Tag angelächelt – und ich beschloss, über den Attersee zu fahren, lag ja auf dem Wege, da wollte ich immer schon mal hin!
Schon nach den ersten E-Mail-Kontakten hob sich die Tauchbasis Under-Pressure (http://www.u-p.at" onclick="window.open(this.href);return false;) am Attersee klar hervor. Während andere eher unsicher waren, ob sie denn werktags mit einer einzelnen Taucherin tauchen gehen, war da Bocki von Under-Pressure sehr Mut machend und entgegenkommend, ein Tauchpartner sei kein Problem, ich solle einfach kommen, wenn ich da bin, es sei täglich ab 9:00 Uhr geöffnet.
Von http://www.flusstauchen.at" onclick="window.open(this.href);return false; kam eher Zurückhaltung, abhängig vom Wasserstand, na ja, und der unlukrative Einzeltaucher halt, Divesport (http://www.divesport.de/kroatien/main2.html" onclick="window.open(this.href);return false;) etwas unpersönlich und unbefriedigend bzgl. WoMo-Stellplätzen, Scuba-Valdaliso (http://www.scuba-valdaliso.de/" onclick="window.open(this.href);return false;) immerhin auf´m Campingplatz, so dass ich bei letzteren in Kroatien einen Stellplatz (in Strandlage) reservieren ließ.
Ich fuhr also Samstag früh los, mit 130 km/h auf der Überholspur war ich bereits Sonntagvormittag in Weyregg am Attersee! Beeindruckend und wohltuend der Blick auf die schneebedeckten Berge, die gigantische Landschaft und die beschaulichen Häuschen und Gasthäuser rund um den Attersee, hier hat die Amerikanisierung noch keinen Einzug erhalten. Auffallend waren bereits die vielen Taucher, die man am Straßenrand auf- oder abrödeln sah, rund um den See sind ausgewiesene Tauchplätze mit Tafeln zur Tauchplatzbeschreibung und praktischen Einstiegsmöglichkeiten. Under-Pressure (http://www.u-p.at" onclick="window.open(this.href);return false;) liegt in Weyregg, direkt hinter einem großen Holzhandel und neben einem gemütlichen Gasthaus. U-P bietet alles, Tauchkurse jeglicher Art und Tauchgänge unterschiedlichster Erfahrungslevel, Füllen von Nitrox und Trimix, Verkauf und Repatatur u.a. auch von Trocki-Manschetten, Ausleihen von I-Pad-Adaptern etc. Die Atmosphäre ist freundschaftlich und offen für alles. Ich wurde von Don Phillipo begrüßt, der mir auch gleich meinen „jungen knackigen“ (Zitat Phillip) Tauchpartner Gerald vorstellte. Ich bekam einen Katalog „Tauchparadies Attersee“ mit Informationen über den Attersee und umliegende Bergseen, Tauchbasen, Karten und Beschreibungen der jeweiligen Tauchplätze mit Schwierigkeitsgraden und durfte mir aussuchen, wann und wo ich denn tauchen gehen will.
Ausgerüstet mit dem sehr schön bebilderten Katalog folgte ich aber erst einmal Phillips Empfehlung zu Camping Grabner
(http://www.camping-grabner.at" onclick="window.open(this.href);return false;), einem kleinen aber gut ausgestatteten Campingplatz direkt am Seeufer. Der Platz auf Anhieb sympathisch, nicht zuletzt durch den alten Grabner Senior, ein Urgestein aus alter österreichischer Landwirtschaft, der mir mit seinem motorisierten Tretroller voranfahrend den schönsten Stellplatz zuwies und alte Geschichten seiner Heimat erzählte. Ich stand also nun mit dem WoMo ganz allein auf einer Wiese unter einem blühenden Obstbaum am Seeufer, im Hintergrund malerische Berglandschaft, als zwei Tech-Taucher vor mir dem Wasser entstiegen – wirklich alles sehr sympathisch! Wie ich von ihnen erfuhr, liegt dort ein U-Boot auf 60 m, nichts für mich…ich war krank, hatte eine schwere Bronchitis, und sah mein Tauchen gefährdet, also habe ich mich am Ankunftsabend an den Sauerstoff gehängt und Erkältungstees getrunken…
Zum Tauchen der nächsten Tage:
Die ersten beiden Tauchgänge machte ich mit Gerald am Twin Towers und am Unterwasserwald zum Eintauchen und Ausrüstung checken. Es sind beides Plätze bis 30 m Tiefe, am Twin Towers zwei große, senkrecht stehende ca. 15m hohe Bäume, der Unterwasserwald beeindruckend durch teilweise riesige, sicher uralte dicke Baumstämme bieten einen mystischen Anblick und erinnerten mich irgendwie an einen Elefantenfriedhof.
An den nächsten Tagen bin ich mit Stefan getaucht, ebenfalls jung und knackig
Ich wollte schließlich nur erst einmal einen ersten Eindruck, ob es sich lohnt, hier noch einmal für einen eigenen längeren Urlaub herzukommen – und das steht jetzt fest: Der Attersee, die Traun und die umgebenden Bergseen sind unbedingt noch einmal eine eigene Tour wert, zwei bis drei Wochen sollten´s schon sein, damit man auch mal zu Fuß die wunderschöne Bergwelt mit ihren Schluchten und Wasserfällen erkunden kann und zum Gumpentauchen, Grundlsee, Wolfgangsee, Mondsee und der Hallstättersee kommt
Diesmal hatte ich nicht die Zeit, ich wollte ja noch weiter nach Kroatien.
Die Weiterfahrt ging jetzt relativ zügig, ich bin nach dem 2. Tauchgang um ca. 18:00 Uhr gestartet und nach einer Nachtruhe auf einem Autobahnparkplatz bereits am Vormittag in Rovinj angekommen. Hier allerdings eine herbe Enttäuschung.
Der Campingplatz Valdaliso, auf dem die Tauchbasis Scuba Valdaliso liegt, bietet reichlich Remmi-Demmi, mit Hotelanlage und Apartments sowie zahlreichen Container-Häuschen, die sich Mobilhome nennen, Badelandschaft und Rutschen, dadurch viele Pauschal- und Flugreise-Urlauber.
Die Basis (http://www.scuba-valdaliso.de/" onclick="window.open(this.href);return false;) wurde wohl mal vom Tauchshop Eder eröffnet und Eder unternimmt auch jährlich mehrere Tauchreisen hierhin. So auch jetzt, es waren mehrere Tauchgruppen da, zudem fand gerade ein Trocki-Testtauchevent statt. Die Basis bietet ein rel. langweiliges Hausriff, von Land aus kann man bis 10 m Tiefe erreichen, ansonsten ist man auf Bootsausfahrten angewiesen. Hier ist das Wrack der Baron Gautsch sicherlich der beste Tauchplatz, der angefahren wird, die übrigen angefahrenen Tauchplätze befinden sich an umliegenden Inseln. Ein großer Nachteil war, dass hier somit 70 Taucher zur selben Zeit rumrödelten, es war tierisch eng und voll und ich durfte mangels Platz nicht einmal meine Tauchflaschen dort lagern. Es war für die sowieso anscheinend ungewöhnlich, dass jemand eigen Flaschen mitbringt…
Trotz der Massen Taucher wurde mir von der Basisleiterin Suzanna nicht gerade viel Hoffnung gemacht, täglich einen Tauchpartner für zwei Tauchgänge für mich zu finden, fand ich doch recht merkwürdig, und ich habe die Leute dann selber angequatscht. Es war aber ein gänzlich anderes Publikum, als ich es später in SV Marina kennengelernt habe, hier wurde viel mit der eigenen Ausrüstung, den Ausbildungsbrevets oder der vermeintlichen Erfahrung gebrüstet, vielleicht liegt das am Vereinswesen oder Pauschaltourismus.
Na ja, die Insel war ja für´s erste ganz nett, bis 24 m wurde es tief, und 50 Minuten haben die ausgehalten. Am nächsten Tag freute ich mich auf die Ausfahrt zur Baron Gautsch, geplant um 10:00 Uhr, weil sich dann aber eine Gruppe mit fünf Leuten gestrichen hatte, wurde auf eine andere Gruppe gewartet, die um 12:00 Uhr ankommen sollte, damit das Boot auch ausgelastet ist. Ich habe also bis 12:30 Uhr nur gewartet, dann ging es mit 35 Leuten sehr eng an Bord endlich los. Mein Buddy war hochpreisig und modern equipped, tauchte aber nicht wie besprochen durch die 1. Etage auf 32 m sondern durch die 2. Etage auf 35 m, wo eigentlich viel Schlick, Enge und nichts Besonderes zu sehen ist. Die Grundzeit hatte er ganz vergessen und meinte auch nachher zu mir, das müsse man nicht so eng sehen. Ich habe dann letztlich zum Auftauchen gedrängt, als ich 22 Minuten Deko auf der Uhr hatte. Grundsätzlich ist die Baron Gautsch ein wunderschönes Wrack, sie war ein Passagierschiff einer österreichischen Reederei, das von 1908 bis 1914 Passagiere von Triest zu verschiedenen Häfen an der nördlichen Adria-Küste beförderte. Die Baron Gautsch lief am 13. August 1914 vor der Insel Brijuni an der Küste Istriens in ein von der österreichisch-ungarischen Kriegsmarine gelegtes Minenfeld und sank innerhalb weniger Minuten. 147 Menschen starben.
Schön war dann noch der Nachttauchgang am Hausriff, weil hier jede Menge kleine verspielte Sepias und große Conger unterwegs waren, unter Wasser hörte man den nächtlichen Lärm wenigstens nicht. Auf einer Wiese am Strand war nämlich ein Festzelt aufgebaut und es ertönte die ganze Nacht durch bis morgens um 6:00 Uhr! irre laute dröhnende Musik, die leider nicht meinem Geschmack entsprach.
Als sich dann am nächsten Morgen erneut ein Termin- und Fahrtzielchaos auf der Basis abzeichnete, habe ich meine sieben Sachen gepackt und bin abgefahren…
Philipp von U-P am Attersee hatte mir zuvor bereits bessere Adressen in Kroatien gesteckt und so wollte ich jetzt nach Sveta Marina in Labin bei Rabac (http://scubacenter.de/pages/de/tauchbasis.php" onclick="window.open(this.href);return false;). Und das war ein richtig guter Tipp!
Die Fahrt nach Sveta Marina geht über teilweise enge und schmale Serpentinenstraßen und durch kleine alte hübsche Ortschaften, die mit den rel. langen Wohnmobil nicht immer ganz einfach zu bewältigen waren, hat sich aber gelohnt. Sveta Marina ist eine kleine Hafenbucht, oberhalb auf einer felsigen Halbinsel liegt der Campingplatz. Auf dem Platz befinden sich fast ausnahmslos Taucher, die Stellplätze sind eben und verfügen alle über einen eignen Wasser- und Stromanschluss, die äußeren Plätze der Kategorie A haben direkten Zugang und Blick aufs Meer. An allen drei Seiten der Halbinsel gibt es Treppen mit Einstiegen und Duschen, um sein Gerödel anschließend gleich zu spülen. Die Basis ist auf der Buchtseite, auch von hier aus eine Treppe zum Einstieg von Land, aber auch ein Bootsanleger direkt unterhalb der Basis. Die Basis selbst ist total gemütlich, bietet Duschen (draußen, aber auch Warmwasser innen), ausreichen Aufhäng- und Abstellplatz, Spülbecken und drei große Container zum nächtlichen Einschließen des Gerödels. Zum selbständigen Tauchen von Land aus bezahlt man nur 2,50 € pro Tag und kann dafür die Basis uneingeschränkt nutzen, die Bootstauchgänge kosten je nach Entfernung bis zu 25,- €. Zum Füllen kauft man Füllkarten - pro Liter 0,50 € - die man an die Flasche hängt, bei 5 Füllkarten gibt es eine gratis. Die Atmosphäre ist total locker, offen und freundschaftlich, hilfsbereit und entgegenkommend. Der Eigentümer ist vor 1 Jahr unerwartet verstorben und die Basis wird jetzt offensichtlich von seinem Vater, einem Deutschen, der gegenüber der Bucht wohnt, weitergeführt. Ihn sieht man aber eigentlich nur zeitweise mal hinter dem Tresen oder an den Tischen sitzend, die ansonsten kroatischen Mitarbeiter managen den Betrieb weitestgehend selbständig. Seit vielen Jahren ist da auch Walter beschäftigt, der fließend deutsch spricht und den Ansprechpartner für die deutschen Gäste darstellt. Walter hat mir auch gleich Tauchpartner vermittelt, zuerst Ingrid, die Lebensgefährtin des Eigentümers, die aus Deutschland kommt und dort ihre Wochenenden und Urlaube verbringt, und Franz, einen Österreicher, der ebenfalls allein dort war. Franz kennt den Platz und die Tauchplätze seit Jahren und wir sind dann täglich zusammen getaucht. Praktisch, denn so musste ich nicht führen sondern durfte ganz gemütlich mittauchen, sicher wissend, dass wir auch am richtigen Ausstieg wieder anlanden. Aber es ist auch nicht eigentlich schwer, sich dort zurechtzufinden. An allen drei Seiten Steilwände bis auf 50 m, zu den Einstiegsbuchten auch leichter abfallend und zur Hafenbucht stellenweise plan, aber man kann sich echt nicht vertauchen. Es gibt viel Fisch und die übliche Mittelmeervegetation, mit Überhängen, Spalten und Canyons. An Ausfahrten bietet die Basis das Wrack der Lina, ein Dampfschiff aus Baujahr 1879, gesunken 1914, Länge 90 m Tiefe Bugspitze 27 m Tiefe Heck 52 m. Der Bug befindet sich inmitten der kleinen Bucht, etwa 50 m südlich vom Kap Pecen. Bei klarem Meer kann man ihn von der Wasseroberfläche sehen. Der Grund fällt hier ziemlich steil hinunter, so dass die Bugspitze in 27 m Tiefe, das Heck aber in 52 m Tiefe liegt. Es ist eindrucksvoll, wenn man im seichteren Teil am Ende der Bucht eintaucht und in die Tiefe taucht, denn dann erscheint aus dem Meeresblau der hohe Bug, was auf alle Taucher einen besonderen Eindruck hinterlässt. Am Bug erblickt man gleich zwei alte Admiralitätsanker mit einem auf dem Oberdeck befestigten Klüver, wie bei einem Segelschiff. Das hölzerne Hauptdeck ist verfallen, aber querlaufende Stahlfassungen, auf denen Holz aufgestellt war, sind an ihrem Platz und so kann man von oben das gesamte Schiffsinnere sichten. Die Laderäume sind leer. Von der Kommandobrücke blieb fast nichts übrig, weil die Wände aus Holz waren. An dieser Stelle steht noch immer ein Ruderradgestell. Ein Aufbauteil hinter der Brücke ist aus Metall und gut erhalten. Durch eine Tür kann man in den Maschinenraum kommen, bis zu Kessel und Dampfmaschine. Gegenstände und Ausrüstung im Inneren sind weniger bewachsen als die Außenteile, und im Rumpf kann man Mittelmeer-Mönchfische und Seeaale treffen. Zum Austauchen gibt es zwei miteinander verbundene Unterwasserhöhlen, optimal auf 3-5 m, mit wunderschönem Lichteinfall und Schwärmen von kleinen Fischen, meistens Mönchfische und Brandbrassen. Weitere Ausfahrtsziele sind die Nicolai-Grotte und das Felsentor sowie diverse, sicher interessante Rifftauchplätze, ich habe mich aber diesmal außer 2 x an der Lina und 1 x zur Nicolai-Grotte mit den wunderschönen Steilwänden am Hausriff begnügt.
Als Franz abgereist war, habe ich auf der Tauchgästeliste nach Brevet und Erfahrungsgrad geschaut und die vier Regensburger angesprochen, die mir durch ihre selbstgebauten Lampen und dass sie stetig mit Stages unterwegs aufgefallen waren. Als ich mit denen mittauchen wollte, erhielt ich grinsend als Antwort „da brauchst du aber großes Besteck“
Nun noch einmal zum Ambiente auf dem Platz: Durch das gesamte Setting trifft man hier auf eine ganz andere Kundschaft und Atmosphäre als auf den üblichen kommerziellen Basen. Es ist eine große lockere und sich gegenseitig unterstützende Gemeinschaft, die sich durch die Anlage verläuft und deshalb auch viel Platz für Rückzug und Eigenes lässt. Es gibt ein zentrales offenes Restaurant, imbissähnlich, wo man bereits ab 8:00 Uhr draußen frühstücken sowie mittags und abends essen kann. Wir habe ein paarmal gegrillt, Franz hatte da diverse Würstel und Schnitzel in seiner Kühltasche dabei, die weg mussten
Liebe Grüße