VORGESCHICHTE: Lissan wer?
Vor geraumer Zeit informierte ich mich in meiner Lieblingsbibliothek über die Wracks im nördlichen großen Belt. Wave, Ute Frese, Wilhelmine, Fjorden, Gudrun... Alles nur Namen. Ich hatte zu der Zeit noch ein gewerbliches Boot und wollte damit eigentlich noch einige neue Wracks erkunden. Auf einmal fand ich ein Video in dem der Name Lissan Hill genannt wurde. Nie gehört. Das Video sah eigentlich ganz interessant aus, vor allem weil hier vom Strand aus abgetaucht wurde.
Man konnte also lesen: Lissan Hill war eine Art von Arbeitsschiff, das im alten Fährhafen Nyborg gesunken ist. Höchstwahscheinlich bei den Rückbauarbeiten nach Beendigung des Fährdienstes oder sogar noch danach. Sie lag also nicht wirklich lange dort. Und sie war vom Ufer bequem zu erreichen. Das Areal sollte mittlerweile zur größten Marina Europas entwickelt werden und das Wrack sollte entfernt werden. Die letzten auffindbaren Quellen waren mehrere Jahre alt und der Status der Neuentwicklung des Hafens war nicht wirklich klar. Ich fragte bei einigen dänsichen Kontakten nach aber die wußten auch nichts. Wenig später hatte mein Boot mal wieder einen Maschinenschaden, wurde in die Ecke gestellt und seither nicht mehr angeschaut. Das Thema geriet in Vergessenheit.
Vor einigen Wochen dann fuhr Frank Collatz mit den Flensburger Tauchern nach Nyborg und postete Fotos von dem Wrack auf Facebook. Ups - da war es wieder! Das war der Beweis, das das Wrack noch nicht entfernt war, folglich sollte sich doch eine Tour nach Nyborg noch lohnen. Also wer weiß, wie lange es noch geht. Das will ich auch noch anschauen. Termin im Forum gemacht, Mitstreiter haben sich natürlich schnell gefunden, auf geht es.
HAFENSUPPE
Am 22.4.2017 ging es also los. Ich traf mich mit Dirk um 9 Uhr an der Grenze. Gerödel wurde in einem Auto zusammengeladen und weiter ging es. Um 1030 waren wir in Nyborg. Zunächst eine kleine Enttäuschung: Trotz der Hafenlage blies der starke bis stürmische Wind eine ordentliche Welle bis in das Hafenbecken hinein. Die sicht war - naja. Eher Tastsicht. Wir liefen auf den Kaimauern herum und suchten. Aus den Videos konnte man erkennen, wo getaucht wurde und Frank hatte netterweise einen Tip gegeben aber die Sicht war so für den A...
Es ing vom Strand aus um den Molenkopf herum zum nächsten Molenkopf, von dort auf immer an der Spundwand entlang. Kompass funktionierte nicht, überall größe Mengen Stahl von den Spundwänden. Sicht funktionierte auch nicht... Also führt unser erster Weg immer an der Spundwand lang qer durch das Hafenbecken rüber zur gegenüberliegenden Spundwand. Frag mich nicht... Dirk tauchte inzwischen auch same time same ocean modus, also ich zurück auf Anfang und noch einmal mit Handkontakt immer an der Spundwand lang. Das Wrack sollte direkt neben der Spundwand liegen. Laut Videos und Fotos. Nach einiger Zeit fand ich einige angeknickte Dalben und ein Rundholz, das in einem flachen Winkel hinaus in das Hafenbecken ging. Die Erfahrung riet mir: Vielleicht liegt das ja wo drauf, könnte auch ein Mast sein. War es aber nicht. Das Rundholz endete ohne Wrack im Hafenbecken. Ich drehte um, schwamm zurück und konnte schon das Dunkel der Spundwand vor mir erahnen. Also konnte ich ja einen Meter abkürzen, dachte ich und verließ das Rundholz in Richtung Spitze des Hafenbeckens. Kurz darauf stieß ich auf eine glatte Wand. Das war nicht die Spundwand, das war tatsächlich das Wrack.
LISSAN HILL:
Zunächst ging es außen herum. Vom Grund bis zum Süllrand waren es vielleicht zwei Meter, immerhin. Der Schiffskörper war aus Stahl und glich eher einer Schute oder einem Prahm. Stahl, rechteckige Form. Am Bug ca. 45° abgewinkelt. Oben drauf eine noch gut stabile Reling. Aufgrund der miserablen Sicht war es sehr schwierig, einen Überblick zu gewinnen. Dirk, Sam und Thorben standen auch ab und an im Weg.
Ich tauchte auf und merkte mir die Position. Dann ging es an der Oberfläche zurück zum Einstieg. Nicht, ohne Steffen, Sabine und Zile noch zu treffen, die noch auf der Suche waren.
LAUSEGRILL:
Wieder an Land wurde Kriegsrat gehalten. Nur 50% der Gruppe hatten das Wrack bei den Sichtverhältnissen gefunden. Die Strömungsvorhersage für den kleinen Belt stand auf rot, so dass wir uns entschieden, nach Nyborg zum Stadthafen zu fahren und im dortigen Lause's Grill Pölser zu verhaften. Anschließend traten die meisten den Rückmarsch an.
Alles in allem hat mich dieses Wrack positiv überrascht. Es ist für den Standort überraschend groß und detailreich. Ich denke es könnte lohnen, bei ruhigem Wetter und besserer Sicht einmal zurück zu kommen und sich das ganze noch einmal mit Sicht anzuschauen.