im August waren Jeanette, Steffen, Ingo und ich zusammen mit Tauchkameraden vom Kopenhagener Tauchclub in Südschweden, um die Zeugnisse des sogenannten UBoot Massakers von 1915 zu besuchen. Damals hatte sich unter anderem das britische E-19 durch den Öresund geschlichen und die Erzfrachter angegriffen, die den südlichen Kalmarsund in Richtung Deutschland passierten.
Am 10.Oktober versenkte E-19 die Frachter Gutrune, Nicomedia, Direktor Reppenhagen und Walter Leonhardt und jagte den Dampfer Germania auf die Steine der schwedischen Küste. Die Germania wurde jedoch später wieder flott gemacht. Die anderen vier kann man heute betauchen.
Den genaueren geschichtlichen Hintergrund und Ablauf kann man z.B. hier nachlesen:
http://www.kampfschwimmer-vm.de/Oeland/Geschichte.html
Die Karte dort ist ürbigens quatsch aber fahrt ruhig hin.
Für uns begann das ganze im Januar oder Februar, als Ingo und ich über mögliche Ziele zum Wracktauchen mit Familienmitnahme (bei mir) sprachen. Schnell war Torshamn als Ziel ausgemacht. Ich hatte zu der Zeit kein funktionierendes Tauchboot mehr, daher boten Ingo und Jeanette an, gemeinsam mit den Kopenhagener Tauchkameraden Lars und Tommy und deren Vereinsboot etwas zu organisieren. Der Termin wurde alsbald auf die Woche vom 19.-26. August festgelegt. Jeanette und Ingo wollten das Boot mitbringen, weitere Absprachen waren mit jahrelanger, fördeschlossermäßiger Selbsverständlichkeit, nicht nötig.
Ich suchte und buchte ein Ferienhaus bei Ramdala für Familie und Hund. Später klinkte sich noch Steffen ein. Somit hatte sich am Ende eine Truppe von dänisch-deutschen Wracktauchern zusammengefunden.
Bereits am Donnerstag vor unserer Anreise erreichten die Dänen mit Ingo Sandhamn und brachten mit rauchendem Radlager das Boot gerade noch bis auf die Slip. Während ich noch arbeiten musste erreichten mich am Freitag die ersten Bilder von den Wracks. Während ich am Samstag im Auto gen Schweden saß, hoppelte die Vorhut bei 5-6Bft quer über den Kalmarsund zur Nicomedia und während ich am Sonntag bei ähnlichem Wind erstmal mit der Familie die Gegend erkundete gab es von den familienlosen intensivtauchern Videos und Bilder von der Gutrune.
Am Montag war dann das Wetter, auf das ich gewartet hatte. 0 Bft aus keiner Richtung. Über eine angenehme Altdünung, wie wir sie aus dem Heimatrevier gar nicht kennen ging es mit der kleinen roten Brig mit 25 Knoten 13 Meilen weit zur Direktor Reppenhagen. Aufgrund meines etwas optimierungsbedürftigen Trainingszustandes empfand ich nun die 38m schon als ganz ordentlich. Der Direktör empfing Jeanette und mich aber so freundlich das die Mono 15 bis an die Grenze ausgenutzt werden musste. Es ging vom Bug einmal durch das mittige Steuerhaus an der Dampfmaschine vorbei um das Heck und wieder zurück. Ein Klasse Wrack, wie die anderen drei auch. Habe ich mir sagen lassen.
Gegen 1300 waren wir zurück in Sandhamn und es wurde Kriegsrat gehalten. Lars und Tommy bereiteten schon ihre Abreise vor, Ingo hatte nass gebadet und wollte lieber pennen und ich sah den zweiten TG des Tages in allgemeiner Gemütlichkeit untergehen. So fuhren wir gemeinsam nach Torshamn und futterten mit Familienanschluss im Hafencafé. Sehr empfehelnswert!
Dienstag war bei mir dann wieder Familie angesagt. Es ging nach Kalmar zum bummeln, während Jeanette, Steffen und Ingo in Richtugn Utklippan zur King und den dort heimischen Kegelrobben fuhren. Auch wenn die King nach meinem Gefühl als Wrack deutlich weniger spektakulär ist als die Wracks des UBoot-Massakers, so hatte sie doch ein schlagkräftiges Argument an Bord, das den Rest des Tauchurlaubs zum Utklippan- und King-Urlaub werden ließ. Ich bekam schon mal die Fotos und Videos zu sehen und freute mich auf...
Mittwoch. Immer noch Ententeich, inzwischen auch keine Altdünung mehr. Früh ging es hinaus zur Klippe, wo wird Bernd absetzten, der sich mit der dortigen Natur beschäftigen wollte. Für uns ging es weiter zur King. Anker runter, drei Köpfe kamen raus und drei erwachsene Männer fingen an, kindischen oingoingoing-Geräusche zu machen. Direkt am Wrack befanden sich drei Kegelrobben, die schon am vortag dort gewesen waren und nun, nachdem wir unseren Anker in ihr Wohnzimmer geworfen hatten, neugierig hoch kamen und uns ebenso neugierig anschauten wie wir sie. Nichts wie rein!
Ich selbst bekam die Viecher am Wrack leider nicht zu sehen. Vielleicht im Nachteil durch mein Blubbergerät, vielleicht auch aufgrund von Tiefe, Gas und mangelndem Training in der Wahrnehmung eingeschränkt, sah ich nur das aufgewirbelte Sediment hinter den Robben. Ingo hingegen machte wunderbare Videos von Robben die auf der Laderaumkante balancierten und Taucher über den Süllrand in "die Tiefe" lockten...
Nach dem Tauchgang an der King ging es nach Utklippan, wo gerastet und Bernd wieder eingesammelt wurde und anschließend besuchten wir die Robben zwischen den Vorgelagerten Klippen zum Fototermin. Tiefe max. 5m, für mich der schönste Tauchgang des Urlaubs, umgeben von neugierigen Viechern. Ich setzte mich an einen Felsen und streckte die Flossen nach oben, was die Tiere immerhin bis auf Beinlänge anlockte. Später fand ich einen halben Fisch am Boden, mit dem ich mich auch noch einmal interessant machen konnte. Teilweise fühlte ich mich etwas gestalked und drückte die Fischleiche lieber Bernd in die Hand.
Zum Abschluss ging es noch einmal zur King, doch nur noch Ingo ging runter.
Als wird zurück kamen war für mich der Tauchurlaub schon vorbei, denn ab nun forderte der Familienurlaub wieder seinen Tribut. Auch Steffen und Gela packten nun ihre Koffer, um am selben Abend noch zurück bis zur Fähre zu fahren und am nächsten Morgen an Bord zu gehen.
Während wir also am Donnerstag bei Karlskrona einen von diesen typischen Familien-Freizeitparks besuchten, besuchten Jeanette und Ingo noch einmal die freundlichen Bewohner der King. Am Abend wurde aufgeslippt, noch einmal gemeinsam gegrillt und am Freitag morgen verließen die beiden mit der roten Brig im Schlepptau Ramdala in Richtung Kopenhagen.
Für uns folgte noch ein Besuch in Karlskrona mit anschließender Tour über die vorgelagerten Scheren, so weit man mit dem Auto halt kommen konnte. Alles auf der Suche nach einer guten Slipanlage, die möglichst nach an der Klippe wäre. Es blieb aber bei 10,5sm.
Am Samstag ging es dann auch für uns zurück. Dieses mal ganz gemütlich mit ausgiebigen Zwischenstopps in Malmö und im alten Fährhafen von Nyborg bei der Lissan Hill.
Fazit: Wir kommen wieder. Mit eigenem Boot und Sidescan und mehr Zeit. Es gibt viel zu entdecken.
Hier noch ein paar Bildchen, ich hoffe, die Mitstreiter werden auch noch etwas dazu einstellen, denn bekanntermaßen bin ich nicht der Fotokünstler.
Tim