Vor etwas über einem dreiviertel Jahr sprach mich ein Tauchkamerad an. Er hätte da ein paar Hinweise, aus diesen hatte er Verdachtspositionen in Bereich der Ansteuerung von Neustadt.
Nur zur Erläuterung: in diesem Bereich liegen die Trümmerfelder von der Cap Arcona, dem sogenannten KZ Schiff, das Doppelwrack, bekannt als Lotsenkommandant Krause, der ehemalige Kriegsfischkutter (?) Holstentor. Noch nicht lokalisiert sind die Untergangsstellen der Deutschland und der Thielbek, beide wurden in der Nachkriegszeit abgewrackt, bzw. gehoben.
Natürlich sind wir alsbald zur Suche gestartet. Drei der vier Positionen erbrachten nichts. Nur an der vierten Position hatten wir, ein zwar sehr kleines, aber doch deutliches Echosignal. Der Sidescan zeigte fast nichts. Trotzdem sind wir mal schauen gegangen. Wir fanden Wrackreste vor. Die Stahlspanten sagen eindeutig aus, dass wir hier die spärlichen Reste eines Schiffes vor uns hatten. Kein sehr großes Schiff, vermutet zwischen 15 bis 20m Gesamtlänge. Alle Trümmer zusammen würden in einen großen Bauschuttcontainer passen. Insgesamt zeigte sich das Wrackfeld sehr detailarm, eine Identifizierung erscheint so ausgeschlossen. Wenn nicht das Wrackfeld doch ein sehr markantes Fundstück bereit gehalten hätte. Eindeutig können wir das Wrack der Kriegsmarine zuordnen, genauer sogar, läßt sich das Wrack als ein Begleitschiff der U-Boot Waffe einordnen.
Am 03.Mai 1945 flog die RAF (Royal Air Force) mit Typhoon Jagdbombern Angriffe unter anderem auf Neustadt. Dabei wurden die Cap Arcona, die Thielbek und die Deutschland angegriffen und versenkt. Über das Drama dieser Versenkungen möchte ich hier nicht berichten. Es spielt in dem Zusammenhang dieser Erzählung nur eine sehr untergeordnete Rolle. Unterstützt werden die Angriffe auf die Schiffen durch englischen Panzerbeschuß von Holm aus. Einem kleinen Wäldchen, welches heute direkt neben dem Yachthafen Ancora liegt.
Nach der ersten Angriffswelle versuchte alles, was nur irgendwie dazu in der Lage war, die Mausefalle des engen Hafen Neustadt zu verlassen. Dort im Hafen war seinerzeit unter anderem das Ausbildungskommando der Klein U-Boote, die sogenannten Seehunde, stationiert. Die im Hafen verbliebenen U-Boote und ihre Begleitschiffe versuchten zu entkommen. Mindestens vier Seehunde und ebenso viele Begleitschiffe sollen, laut dem Bericht der angreifenden Piloten, den Hafen verlassen haben. Eine Schiffsliste liegt mir leider nicht vor. Die Quellenlage ist sehr dünn. Mehrere Boote sollen unter dem massiven Beschuß durch die Flugzeuge und der Panzer! ihren Fluchtversuch aufgegeben haben und umgedreht sein. Ein Klein U-Boot, laut Aussage einen der RAF Piloten ein 500 Tonnen? Boot, soll entkommen sein.
Der Bericht listet keine Versenkungen unter den Begleitschiffen auf.
Und wir haben Wrackreste mit deutlichen Hinweisen auf die U-Boote vor uns. Natürlich lässt uns das keine Ruhe. Vielleicht nicht von den Fliegern versenkt, sondern von den Panzern?
Also wird mal der Robert zum Fotographieren hin gekarrt. Wie immer löst er diese Aufgabe souverän. Anschließend, an die Fotoaufnahmen, starten wir eine Umfeldsuche. Mal sehen, was so alles in der Nähe so rumliegt. Und der gute Robert wird fündig. Er berichtet nach dem Tauchgang von einem kleinen Wrack. Vielleicht ein Rettungsboot. Leider zeigt sich dieses bei der direkt folgenden Echolotsuche nicht.
Heute sind wir, Blacky und ich, endlich rausgefahren, um eine weitere Wrackfelduntersuchung zu machen und das zweite Wrack in Augenschein zu nehmen.
Gestartet sind wir von der Kunya Werft aus. Mein kleines Boot, Muff-Potter mit 4,5m Länge und 50PS Außenborder, läßt sich auf der dortigen Slippe gut ins Wasser bringen. Die Slippe ist recht flach geneigt, sehr gut Wind- und Strömungsgeschützt. Außerhalb der Saison läßt sich der Trailer und das Zugfahrzeug hier auch gut parken. Im Sommer muß man ordentlich laufen
Entspannte 5 Euro für slippen rein und raus, Parken auf den Gelände falls was frei ist, dass ist ein sehr fairer Preis. Das Geld wirft man abgezählt, am Besten im Umschlag mit Bootsnamen drauf, in den weißen Briefkasten am Haus rechts neben der Slippe. Da stehen auch die Preise dran.
Übrigens, Profis bereiten ihr Boot nicht direkt auf der Slippe vor. Das erledigt man abseits und behindert nicht andere Bootsfahrer. War heute wieder eine Show.
Das Wetter war heute, entgegen von Windfinder, besser aus vorhergesagt.
Wir haben den ersten Tauchgang wieder mit einer Stage bestritten. So blieb das Atemgas im Rückengerät für den zweiten Tauchgang unangetastet. Das Wasser war warm und die Sicht war gut, locker drei Meter ++.
Dirk konnte dem Wrackfeld noch ein vielleicht aussagekräftiges Detail abgewinnen. Mal sehen, was hier die Nachrecherche erbringt.
Das zweite Wrack haben wir dann auch noch in 60m Entfernung aufgestöbert. Hat aber nicht mit den anderen Wrackfeld zu tun. Zuviel BASF drin, sprich ein Kunstoff Boot. Knapp 4m lang mit Spriegelheck.
Die Oberflächenpause fand bei strahlenden Sonnenschein und unter blauen Himmel bei fast null Wind statt. Also sind wir noch kurz in Richtung Walkyriengrund gestartet. Ein Flachbereich mehrere Seemeilen vor Grömitz. Zwischen diesem Flachbereich und der Küste liegt das Wrack der Sedina. Die Position ist in den Seekarten sehr genau verzeichnet. Dort haben wir noch einen zweiten Funtauchgang eingelegt. Auf den Rückweg nach Neustadt haben wir noch eine weitere Position mit dem Echolot / Sidescansonar abgesucht. Da liegt aber nichts.
Beim Rausholen des Bootes fiel sehr positiv auf, dass an der Slippe ein Wasserhahn mit Gartenschlauch ist. Daher gleich das Boot und den Motor gespült, näturlich die Ausrüstung gleich mit gewaschen, besser geht nicht.
Also: ein sehr schöner Tag auf See, mit bester Fernsicht, zusammen mit einem netten Kameraden. Dazu noch zwei sehr schöne Tauchgänge. Hätte besser nicht sein können.