
Freitag nachmittag ging es erst mal nach Langeland. Samstag früh liefen wir zeitig aus dem Hafen von Rudköping aus, um die letzten wenigen Meilen zum Svendborg Sund hinter uns zu bringen. Bei der Planung gingen wir von 3 Deutschen Schnellboot Wracks aus, die zum Kriegsende hier in sehr flachem Wasser versenkt sein sollten.

Zwischenzeitlich wussten wir aber von 4 Positionen. An der 1. Position fanden wir nach kurzer Suche eine deutliche Erhebung auf dem nur 9 m tiefen Grund. Der Ausschlag ging bis 4 m hoch. Also Boje gesetzt und das 1. Team mit der Leine zum festmachen des Kutters zu Wasser. Leider war die Sicht ausgesprochen schlecht, so gerade 2 bis 3 Meter und sehr viele Schwebeteilchen/Algen.

Hier lag tatsächlich ein Deutsches Schnellboot der Klasse S 100. Die Boote sind ca. 35 m lang und waren mit ihren 3 Maschinen bis zu 42 Knoten schnell. Hauptbewaffnung waren die 2 an Oberdeck liegenden Torpedorohre. Zudem konnten sie Minen legen und verfügten zur Verteidigung über mehrere Flakwaffen. Leider hat inzwischen wohl ein Brite eine Bergegenehmigung erwirkt, da er Ersatzteile für sein eigenes, noch schwimmendes Schnellboot benötigt.
Am 1. Wrack waren deutliche Arbeitsspuren zu sehen. Blech war aufgeflext, die Torpedorohre entfernt, der Steuerbord Propeller abgebrannt. Wir fuhren daher nach dem Tauchgang zum nächsten Wrack. Zwischenzeitlich hatten die Dänen aber eine Regattastrecke aufgebaut und viele Segelyachten fuhren kreuz und quer durch den Sund. Eine Wendeboje lag in unmittelbarer Nähe zu Wrack 2. Am Wrack 3 war die Startlinie mit 2 Bojen markiert, so dass wir mit ca. 500 m Abstand zum Startfeld wenigstens an Wrack 4 tauchen konnten.

Einige Segler fanden dies aber nicht so toll und so konnten wir eine Beinahekollision
bewundern, weil es immer noch Segler gibt, die von ihrem alleinigen Vorfahrtsrecht träumen und auch von einem Ankerlieger noch ein Ausweichen erwarten...........
Teilweise konnten wir daher die Segelyachten aus einem Abstand von ca. 3 Meter bewundern. Leider war Wrack 4, wahrscheinlich durch Sprengung, zerstört. Es war nur noch das Vorschiff erhalten. Also weiter zu Wrack 3. Wrack 3 war gut erhalten, aber auch leer. Zum Abschluss des Tages Tauchgang Nummer 4 am Wrack 2. Einige Taucher hatten da leider aber schon ein wenig an ihrer Motivation verloren und so wurden die aktiven Taucher immer weniger. Eigentlich schade, denn meiner Meinung nach war das Wrack 2 das schönste von allen!

Fazit: Alle 4 Wracks sind teilweise sehr gut erhalten, aber komplett leer, was mich zur Vermutung veranlasst, dass diese Boote zur Kriegszeiten nicht fahrfähig waren, sondern noch in der Bau/Ausrüstungsphase. So hat Wrack 3 z. B. keine Maschinen. Es fehlen in allen Wracks die Bewaffnung, Rohre, Kabel, Einrichtungen und persönliche Gegenstände, bzw. deren Spuren die trotz Bergung noch vorhanden sein müssten. Die Wände im Steuerstand sind glatt, da war nie etwas montiert. Da nach der Kapitulation auch aller Schiffsraum bei der Evakuierung der Ostgebiete benötigt wurde, ist eine Selbstversenkung von Schiffen der Kriegsmarine zu diesem Zeitpunkt weit ab von der Front auch nicht zu erklären. Alle 4 Wracks liegen in Tiefen von maximal 10,5 Meter und sind in einem Tauchgang gut zu erkunden. Leider soll die Sicht meist ausgesprochen mies sein. Für regelmäßige Besuche sind die Wracks zu weit weg. Daher entschlossen wir uns, am 2. Tag gen Süden zu fahren und mitten in der Kieler Bucht noch 2 Tauchgänge am Saugbagger zu unternehmen. Der Saugbagger liegt auf 20 m auf der Backbord Seite und ragt bis 10 m hoch. Die Sicht betrug hier ca. 8 bis 10 m. Aufgrund des Wetters, wir hatten die Tage viel Wind, war die übliche Sichtweite von weit über 10 m leider nicht vorhanden. Aber ein extrem schönes, gut zu betauchendes Wrack, welches wir bestimmt noch mal anfahren werden. Sonntag abend liefen wir dann wieder in Maasholm ein und wurden von Neptun mit einem 10 minütigen Platzregen begrüßt.
Die technischen Daten der Schnellboote Boote Klasse S 100:

Bauwerft: Lürssen Vegesack Schlichting Travemünde
Länge: 34,94 m
Breite: 5,28 m
Tiefgang: 1,67m
Stapellauf: alle 1943 - 1945
In Dienst: alle 1943 - 1945
Besatzung 30 - 32
Verdrängung: 122,0 to.
Geschwindigkeit 42 kn
Motoren DB MB 501A /MB 511
Reichweite: 700 sm ab S147 PS: 7.500
Bewaffnung: 2 + 1 - 2 cm, 1 - 37 mm 1 - 40 mm, 1 - 2 cm Torpedos: 4 St. 53,3 cm mit 2 Rohren