da ich gerade mal Netz habe, hier mal ein Tauchbericht von einem Wrackhighlight.
Während meines Norwegenurlaubes 2010 war es das erklärte Hauptziel endlich mal das Wrack der Mosel zu betauchen. In den letzten Jahren hat dies nie geklappt, mangels Basen die das Wrack anfahren.
Aber erst mal einiges zur Geschichte der Mosel:
Das Deutsche Wach-Boot 'V-1605' wurde 1937 in Wesermünde als Trawler mit Namen Mosel für den Reeder Hans Kunkel auf Kiel gelegt.
Schon im September 1939 wurde es schon relativ bald von der Deutschen Kriegsmarine für den Dienst im 19. Minensuchgeschwader, stationiert in Kiel, requiriert.
Die Mosel bekam hier eine militärische Ausstattung und Crew und wurde in 'M-1903' umbenannt.
Mit dem Beginn der Invasion Norwegens im April 1940 bekam die Mosel mehr als genug zu tun, so war sie z.B. an der Rettung des Kreuzers Lützow und den Hilfsmaßnahmen nach dem Verlust von M-1011 / Foch & Hubert im Oslofjord beteiligt.
1943 wurde das Schiff umbenannt in 'V-1605' und zur 16. Vorposten-Flotille in Frederikshavn überstellt. Die Aufgabe dieser Einheit war die Sicherstellung des Begleitschutzes für Konvois und Handelsschiffe und die Mosel wurde hierfür mit einer großen Zahl von Flugabwehr-Geschützen und Wasserbomben ausgestattet.
Am 15. Oktober 1944 bekam die Mosel den Auftrag zum Begleitung des Nachschubtankers 'Norwegen 15' (Inger Johanne) auf seiner Fahrt von Kristiansand nach Arendal.
Zur gleichen Zeit starteten 27 Flugzeuge des Typs Beaufighter vom 144. und 17 Moskito-Kampfflugzeuge des 404. Squadrons der Alliierten Streitkräfte in Schottland (Banff Strike Wing) mit dem Auftrag zum Angriff von möglichen See-Zielen zwischen Dänemark und Norwegen.
Am Nachmittag sichteten der Jagd-Verband die 'Inger Johanne' (Norwegen 15) im Verband mit der Mosel und begannen mit dem Angriff aus der Luft.
Die 'V-1605' (Mosel) erwiderte das Feuer zunächst mit ihrer schweren 88mm FlaK, bald wurde aber auch aus allen Rohren der diversen 37mm und 20mm Flugabwehr-Maschinengewehre gefeuert.
Trotz aller Gegenwehr wurde die mit Petroleum betankte 'Inger Johanne' innerhalb von Minuten in Brand geschossen und explodierte schließlich, während die 'Mosel' durch Treffer von 20mm Granaten im Kessel- und Rumpfbereich ebenfalls schwere Schäden davon trug.
Die Mosel erwiderte weiterhin das Feuer, aber als die Flugzeuge den Angriff um 15:37 Uhr abbrachen, stand sie von Bug bis zum Heck in Flammen.
Um 15:40 Uhr versank die Mosel schließlich in der Tiefe und der kleine Konvoi war endgültig vernichtet. Bei dem Angriff starben 21 Menschen an Bord der 'V-1605'.
Das Wrack wurde erst 2001 vor Lillesand gut erhalten in 50m Tiefe entdeckt. Leider liegt das Wrack sehr Wetter- und Strömungsexponiert vor der Südnorwegischen Küste, so dass Tauchgänge nicht immer möglich sind.
Aber heute sollte es endlich klappen, mein Boot lag aufgetankt im Hafen von Skottevig, die Ausrüstung war verstaut und das Wetter zeigte sich von seiner besten Seite. Die Nordsee wirkte als wenn ein Leichentuch über ihr lag. Nur sanfte Bewegung von Dünung war auf der sonst glatten Wasseroberfläche zu spüren.
Am Vortag habe ich die ca. 5nm von Skottevig (unser Domizil) entfernte Position schon mal im Rahmen einer Sightseeingtour überprüft. Die Position stimmte metergenau und zu meiner Freude befand sich sogar eine Boje am Wrack.
Durch das gute Wetter konnten wir den kurzen Weg über die offene See zum Wrack wählen, so dass wir in ca. 15min über der Mosel waren.
Schnell folgte ich der Bojenleine in die Tiefe um schon ab ca. 32m auf das Buggeschütz zu stoßen, an dem die Bojenleine befestigt war.
Die Sichtweiten waren norwegentypisch bei 15-20m. Wahnsinnig viel Fisch umkreiste das Wrack. Ich ließ mich vom Oberdeck an der Bordwand entlang weiter fallen um dann bei ca. 50m auf dem Grund zu landen. Der Anblick war gigantisch. Das Wrack liegt direkt auf einem riesigen Felsenblock und um das Wrack fällt der Grund auf ca. 60m ab. Im Gegenlicht wirkt das ganze absolut bedrohlich da die zahlreichen Geschütze alle noch gen Himmel gerichtet sind.
Am ganzen Wrack kann man Spuren der letzten schweren Stunden der Mosel sehen. Alle Geschütze sind nach oben gerichtet, überall offene Munitionskisten in denen schon etliche Geschosse fehlen, ausgerollte Feuerlöschschläuche und natürlich die Gefechtsschäden. Wenn man sich V-1605 anschaut, weiß man, dass Seefahrt während des Krieges nichts Lustiges war.
Auch die vielen Details am Wrack beeindrucken, sogar das Steuerrad auf der Brücke ist noch vorhanden. Nach ca. einer halben Stunde mahnt mich mein Tauchplan zum auftauchen und ich muss mich leider wieder von der Mosel verabschieden und meine 45min Deko antreten. Diese Zeit am Seil wird mir allerdings von vorbeiziehenden Hornhechtschwärmen versüßt, echt genial.
Viele Grüsse Rocco!