hier ein kurzer Bericht unseres gestrigen Nordseeausfluges:
Schon lange beschäftigte mich der Gedanke, mal in dem deutschen Teil der Nordsee an Wracks zu tauchen.
Vor einigen Jahren sollte es dann klappen, fest gebucht war eine Tauchtour zu den Ubootwracks um Helgoland. Aber dann, 1 Woche vor Tourbeginn, die Mail des Veranstalters ,die Tour fällt aus Mangels Teilnehmer. Da es in den letzten Jahren kein Tauchschiff mehr in der Nordsee gab, war mir klar, dass man es entweder selber organisieren muss oder man lässt es sein. Nachdem ich mich dann ein wenig mit dem Seegebiet um Sylt beschäftigt habe und mit den dort vorhanden Wracks, kam mir der Gedanke, dass es hier sogar mit eigenem Schlauchboot klappen müsste. Da hier im Gegensatz zu den südlicheren Gebieten der deutschen Bucht die Anfahrtswege nicht 20-30sm betragen.
So enstand der Plan auf der dänischen Insel Römö zu slippen, um von dort Wracks vor der Sylter Westküste anzufahren.
Nachdem es schon 2 Wochenenden aus Ost wehte und damit die Bedingungen für das Ostseetauchen nicht gerade rosig waren, fiel Donnerstag der Entschluß "dieses Wochenende Nordsee oder es wird dieses Jahr wieder nichts".
Mein Kumpel Ralf war sofort begeistert von der Idee und so verabredeten wir uns für Sonntag.
Jetzt hieß es Infos sammeln. Die Tidentabelle wurde studiert und der optimale Zeitpunkt für einen Tauchgang am Wrack des "Reichsseezeichendampfers Wyk" auszumachen. Um bestmögliche Sicht und hoffentlich wenig Strömung zu haben wurde das Stauwasser um 16:23Uhr als optimaler Zeitpunkt gewählt.
In der Frage, wo man denn so slippen könnte, wurde mir hier im Forum logischerweise schnell geholfen (danke Tim)
Ansonsten waren die Infos über das Nordseetauchen im Netz recht spärlich. Ein Artikel im TN ließ aber hoffen. Dort war von einem Tauchgang am Ellenbogen/Sylt die Rede - mit 15m Sicht
Sonntag gegen 10:00Uhr ging es dann in Eckernförde los und wir kamen nach ca. 2h Autofahrt an der Slipanlage in Havneby an. Das Boot war schnell im Wasser, beladen und dann ging es bei leichtem Ostwind, strahlendem Sonnenschein und auflaufenden Wasser Richtung Sylt. Unser erstes Ziel war der Hafen List, wo meine Frau Stephanie daß versprochende Fischbrötchen bei Gosch inkl. Eis als Nachttisch bekam. Dies war die "Belohnung" für den noch kommenden Oberflächensupport (1Stunde allein im Schlauchboot auf der "Mordsee"). Ausserdem wollten wir dort ein wenig Zeit totschlagen, um auf das Stauwasser zu warten. Die Wartezeit versüßte uns, ein im Hafen jagender Seehund. Das fängt ja schon mal gut an.
Schon im Seegat zwischen Sylt und Römö wurde es sehr kabbelig, da der Strom (ca. 3kn) gegen die Windrichtung wirkte.
Außerdem war das Wasser noch ziemlich eklig braun. Wir konnten nur hoffen, dass es draußen besser wird.
Nach rund einer Stunde Fahrzeit waren wir dann an der Wrackposition ca. 5nm (9km) vor der Westküste der Insel Sylt.
Das Wrack war schnell gefunden und erzeugte trotz der Wassertiefe von nur 12m ein riesiges Echo. Das liess auf ein einen tollen Tauchgang hoffen. Auch das Wasser machte hier draussen einen nicht mehr so k....braunen Eindruck. Nachdem der Anker auf dem Wrack lag, wurde noch sicherheitshalber eine Strömungsleine ausgebracht und ca. eine 1/2 Stunde vor Stauwasser gingen wir ins Wasser. Die Strömung war noch recht heftig und ohne den Halt der Ankerleine wäre man schnell wegepustet worden. Am Grund angekommen tauchten dann die mehrere Meter hohen Überreste des Dampfer auf, die sogleich einen angenehmen Strömungsschatten spendeten. Die Sicht lag so bei 3m und es war aufgrund der vielen feinen Schwebeteile im Wasser recht dunkel.
Das Wrack war durch die Untergangsursache (Mine),der ständig nagenden Strömung, den Seegang und das salzreiche Wasser schon ziemlich stark zerstört. Trotzdem ist es ein tolles Wrack und sehr detailreich.
So konnte man die Rudermaschine, etliche Maschinenteile aus Messing und Kupfer, den riesigen Dampfkessel und allerhand anderen maritimen und technischen Kram besichtigen. Auch Freunde der Flora und Fauna hätten ihren Spass.
So gab es z.B. Seenelken ohne Ende, Butterfische, Krabben, Zwergdorschschwärme, Schwertmuscheln, Einsiedlerkrebse, Dorsche, Seescheiden, Nordseeknieper und vieles mehr an Kram, was ich garnicht alles kenne. Noch während des Tauchganges ließ die Strömung nach und wir wußten, jetzt noch 30-40min und dann geht es wieder aus der anderen Richtung los. Nach einer knappen Stunde waren wir am Boot zurück und machten uns bei tiefstehender Sonne an den ca. 12nm langen Rückweg.
Fazit: Alles in allem muss man sagen, daß sich ein Ausflug in die Nordsee lohnt. Allerdings darf man nicht erwarten
in Küstennähe vollständig erhaltene Wracks zu finden. Wer sich auf lange Anfahrten, nicht ganz so tolle Sichtweiten und einen vom Tidenkalender bestimmten Tauchtag einstellt, wird in der Nordsee mit tollen und vor allem fast unberührten Wracks entschädigt. Der Aufwand für einen Tauchgang ist natürlich ungleich höher, im Gegensatz zu einem Wracktauchgang in der Ostsee.
Viele Grüsse Rocco!