Es begann mit einem Wetterbericht und der Absage der für Mittwoch angesagten Tauchtour. Erst Ost 1-2, dann über Süd auf West drehend und wieder auffrischend. Später waren schwere Gewitter angesagt. Wir wollten vor der Front noch los.
Um 1800 verließen wir (Lars, Lasslo, Blindfisch, onkel Rainer und ich) mit der Spirit den Yachthafen. Aufgrund der Wettervorhersage entschieden wir uns, zuerst unser Glück an verschiedenen Wracks zu probieren und später vor Falshöft auf Platten zu gehen. Dort würden wir bei auffrischendem West guten Landschutz haben und müssten nur um die Birkspitze herum nach Hause fahren, immer am Land lang. Also eigentlich entschied ich so und es widersprach niemand.
Das Wetter war noch gut, nur die extreme Schwüle machte den ganzen Tag schon Sorgen.
Wie machten uns also auf zum ersten Wrack. Eigentlich ne sichere Nummer, doch an diesem Abend sollte einiges anders sein. Wir erreichten das Wrack und ich verlor gleich als erstes den ersten Pilker. Ich grübelte. Knoten nicht richtig, Wirbel nicht dicht - Egal. Die erste Drift brachte auch bei den anderen keine Ergebnisse und ich grübelte weiter. Auf der zweiten Drift versenkte ich wieder mein Material, dieses mal mit leichter Wrackhilfe. Es wurde wieder nichts gefangen. Bei der dritten Drift war nun meine Schnur zu kurz geworden und ich sattelte auf die Ersatzrute um (da wo immer der unterste Ring rausfällt). Trotz zwei weiterer Driften keinen einzigen Anfasser. Das kenne ich vn dem Spot gar nicht.
Wie überlegten kurz und entschieden uns, nach Süden an einem weiteren Wrack vorbei Richtung Falshöft zu fahren. Am zweiten Wrack war es dann "normal" fürs Wrackangeln. Es kamen einige kleine Dorsche an Bord und gingen wieder, ein guter wanderte in Blindfischs Truhe. Dann verholten wir nach Falshöft aufs Plattenplateau.
Auf dem Weg stand eine freundliche, lange Altdünung von vielleicht max. einem Meter, die selbst die Spirit ein wenig in Wallung brachte. Aber bei 23 Knoten war es noch ganz gut zu ertragen und Blindfisch nahm ein erstes Fundstück des Tages an Bord: Isomatte.
Auf dem Plattenplateau suchten wir zunächst die richtige Tiefe und alsbald ging es ganz annehmbar zu Sache. In kurzem Abstand kamen recht stattliche Platten verschiedener Sorten und einige "normale" an Bord. Stattlich meint hier eine Pfanne voll + X. Das Verhältnis normal zu stattlich war fast 1:1. Nur bei mir ging nichts. Im Gegenteil. Ich machte die Rute mit der kurzen Schnur wieder klar, war ja nun flach, ließ das blei sinken, zupfe einmal an und - wech!!!! :cursing:
Es kam die Erkenntnis auf: Schnur spröde. Also Rute+Rolle weggelegt, ich fing ja eh nix.
Gegen 21 Uhr hatte der Wind gedreht, es begann zu regnen und frischte schnell in Richtung 4-5Bft auf.
Ich hatte ja was geschrieben von wasserfestem Zeug mitnehmen. ICH hatte das auch getan. Die anderen ließen sich mehr oder weniger nassregnen und fingen dafür die Fische. Gegen 2145 Uhr waren alle so nass und kalt, dass es doch nach Hause gehen sollte. Der Restbestand an Würmern wurde "freigelassen" und wir schlugen einen Nordkurs mit 30 Knoten ein.
Vor der Birk kamen wir in eine unangenehme Kreuzsee aus alter Dünung und neuen Windwellen, die exakt gegeneinander liefen, überquerten den Kalkgrund und bogen in die Bucht ab. Wir waren fast zu Hause, es wurde dunkel und die Frauen waren schon auf unsere Ankunft vorbereitet, da hielt der Tag weitere Fundstücke für uns bereit.
Kurz vor Wackerballig fiel uns ein kleines Schlauch der 2-2,5m Klasse auf, das mit einer Person an Bord einsam Richtung Gelting Mole steuerte. Ich grübelte einen Moment nach, entschied mich dann aber doch, anch dem rechten zu sehen. Wir drehten also eine Steilkurve und der Kollege im Pusteboot kam sofort wild gestikulierend und rufen auf uns zugeschossen und längsseits - Rums!
Zu unserer Überraschung trafen wir auf einen einsamen älteren Herren, der in einem schon ordentlich vollen Pusteboot kauerte, nur bekleidet mit einer Neoprenshorts (nicht Shortie, SHORTS!) und einer Schwimmweste. Er war auf deutsch gesagt durch. Total unterkühlt, zitternd, kaum in der Lage ein klares Wort zu sprechen. Zumindest keinen klare Satz. Was wir heraushörten ließ den Feierabend in ungewisse Ferne rücken.
Boot - Auf Grund gelaufen - Geankert - Birkspitze - Wind gedreht - Helfen. So oder so ähnlich.
Kurz wurde überlegt, ob man das Fundstück vielleicht lieber in Gelting Mole abgeben sollte und sich dann auf die Suche machen würde - oder gleich die DGzRS bemühen? Nein, er bestand darauf, dass wir schnell hin müssten, da sein Boot von den Wellen sonst zu Kleinholz verarbeitet würde. Also bekam er eine Seejacke und wir fuhren wieder raus. Sein Pusteboot setzten wir übrigens kurzerhand vorne in der Spirit ab, wo es sich sehr gut einpaßte. Leider war es bereits zu dunkel zum fotografieren. Wenigstens der Regen hatte wieder aufgehört.
Auf dem Weg fing ich an, meine Entscheidung zur schnellen Hilfe zu bereuen. Er war offenbar alleine unterwegs.
Jetzt aufpassen: Aus dem Leh(e)rbuch:
Telefon? "Alle."
Funkgerät? "Nein."
Seenotsignale? "Hab ich nicht."
Wetterbericht? (Der Winddreher um 180° war seit Tagen angekündigt) "Nicht gehört."
Ich hörte erstmal weiter zu. Er hatte also bei der Hitze auf der Innenseite der Birk alleine mit seinem Boot geankert. Nahe dran, kurzes Ankergeschirr, boot kurz verlassen und an Land gegangen. Dann kam der Wetterwechsel und aus der geschützten Leeseite wurde nun auf einmal eine unangenehme Legerwallposition. Noch bevor er an Bord war rutschte der Anker und der Dampfer lag in der Brandung. Wieder Le(h)erbuch.
Was für in Boot ist das? "(Den Typ habe ich schon wieder vergessen kannte ich aber auch nicht)"
Was für einen Tiefgang hat das? 40cm - OK, kann ja nicht sooo schlimm sein.
Wie schwer ist das? FÜNF TONNEN!!!!!!
Wir erreichten das Boot und fanden eine 10-11m (geschätzt) große Motoryacht mit Stützsegel im Brandungssaum nahe der Birkspitze liegen. Es lag wirklich fast auf dem Strand. Den krieg ich da nie runter, schoss es mir durch den Kopf. Während Lars und das Fundstück mit dem Pusteboot rüber fuhren - wir mochten ihn mit der Unterkühlung nicht alleine fahren lassen - rief ich auf unserem Stationshandy an und erzählte die Lage. Es ging auf 2230 Uhr zu und war schon ziemlich duster. Das Ergebnis war: Versuch mal, ob Du ihn runter gezogen kriegst, sonst meldest Du Dich und die Jens kommt zum Helfen.
Wir hielten also Position knapp außerhalb der Brandung und bekamen bald halbwegs problemlos vom Dinghy die Schleppleine gebracht. Mit einem hahnepott wurde das ganze an Schutzbüdel und A-Frame befestigt - Das Boot ist nicht zum Schleppen gemacht! Kraft hat es genug aber keinen Punkt, um die Kraft auf eine Schlepptrosse zu übertragen, der nicht aus dem Deck gerissen wird.
Wir zogen vorsichtig an und der Skipper stemmte sich an seinen eigenen Bug, um das Boot in Bewegung zu setzen. So weit ich es sehen konnte, ging ihm das Wasser nur noch bis kurz über die Knöchel. Den Bug bekamen wir recht schnell seewärts gedreht, doch dann war erstmal Schluss. Ca. 20 Minuten zogen wir in unterschiedlichen Richtungen und Plötzlich waren wir frei. Ich konnte es selbst kaum glauben, dass die Spirit das schaffte bzw aushielt und rief alsbald auf unserem Stationshandy an, um Entwarnung zu geben.
Wir schleppten den Kandidaten dann bis vor die Einfaht von Gelting Mole, wo wir ihn seinen Motor starten ließen und die Leinenverbindung trennten. Mangels ausreichend Navigationsmöglichkeiten, revierkenntnis oder Suchscheinwerfer (wieder das Lehrbuch) wies ich ihn an, uns direkt zu folgen und so geleiteten wir ihn durch das Fahrwasser in den Hafen. Hier sah er die erste freie Box rechts und wollte nur noch hinein. Rummste beim Ausholen mit dem Heck links gegen die Dalben, quetschte dann das noch Backbord seitlich hängende Dinghy ein, gab Gas und das Dinghy gab nach (war zum Glück nicht zu sehr aufgepustet) und war schließlich fest.
Wir fuhren an unseren Liegeplatz und meine Crew freute sich über die Möglichkeit, das eigen Zittern mit warmen Klamotten zu bekämpfen. Hosen hatte allerdings scheinbar niemand mit und eine kruze Hose hatte sich noch beim Anlegen in quasi Luft aufgelöst, so dass diese auch nicht mehr als ordentliches Beinkleid gelten durfte. :rolleyes:
So bedankte sich der Kollege dann noch sehr nett und bezahlte uns unsere Ausfahrt und war glücklich. Wir trennten uns auch und ziemlich genau Mitternacht war ich zumindest dann auch zu Hause.
So, kleines Abenteuer und nur mäßig Fisch - dafür aber soozusagen nen ganz dicken Wal an der Leine gehabt. :S
Bis zum nächsten mal!
Tim
PS: jungs, haut doch eure Fotos dazu, soweit vorhanden, würde mich freuen!
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