Das Wrack ohne Geschichte
Schon seit vielen Jahren ist die Position des Wracks bekannt und schon viele Taucher habe diese schöne Wrack besucht. Aufgrund der Lage im nordwestlichen Teil der Kieler Bucht (Ostsee), ca. 4sm vor der Ortschaft Falshöft wird das Schiff seit Jahren einfach nur "Tjalk Falshöft" genannt.
Das Wrack ist eine motorbetriebene ca. 25m lange Eisentjalk die aufrecht auf ebenen Kiel steht. Sie ist sehr gut erhalten und zumeist ist die Sicht, an diesem Platz sehr gut. Die Wassertiefe beträgt 24m und das Wrack ragt ca. 5m auf. Noch immer ist am Bug, auf Stb-Seite, eine markante Beule mit langen Riss im Vorschiff, vermutlich als Folge einer Kollision, sichtbar. Trotz der offensichtlichen Kollision, ist bisher nichts über das Wrack bekannt gewesen, weder vom Schiff selber, noch vom Kollisionsgegner.
Nähere Infos gibt es unter diesem Link: http://www.bubblewatcher.de/bericht_Tja ... racks.html" onclick="window.open(this.href);return false;
Aber gehen wir zurück ins Jahr 1933:
Am 26.02.1933 begann der Motorsegler "Marie" unter dem Kommando von Kapitän Gustav Nagel aus Krautsand seine Reise von Aalborg (Dänemark) nach Hamburg. Die Ladung bestand aus 130t Zement. Die Reise führte durch das Kattegat über den kleinen Belt bis in die Kieler Bucht. Bis auf einige sturmbedingte Liegezeiten an geschützten Ankerplätzen verlief die Reise bis in den südlichen kleinen Belt ereignislos. Am Morgen des 5. März zog dichter Nebel auf und die "Marie" fuhr bei leichten Süd-West Wind vom Belt in die Kieler Bucht. Da die Sicht sich im Laufe des Vormittages leicht verbesserte, stellte der Kapitän das geben von Nebelsignalen ein und übergab die Wache an seinen Matrosen Wilhelm Blohm. Als Kapitän Nagel unter Deck die Karte studierte um den Schiffsstandort zu ermitteln bemerkte er, wie sein Matrose am Ruder sehr unruhig wurde. Schnell enterte er an Deck und sah ein Schiff direkt auf Gegenkurs. Wie sich später herausstellte, war dies der Motorsegler "Merkur" auf der Reise von Hamburg nach Lemwig mit einer Ladung Mais. Das auskuppeln der Maschine und die Hartruderlage brachte nichts mehr und beide Schiffe krachten ineinander. Sofort strömte Wasser in den Laderaum der "Marie". Beide Männer versuchten noch das Leck zu dichten, da dies aber aussichtslos war, wurden nur noch einige wenige Sachen geborgen und die "Marie" sank kopfüber in die Tiefe. Der Großmast der "Marie" krachte beim Untergang auf die "Merkur" und brach. Mittlerweile befanden sich nahe der Unfallstelle zwei andere Schiffe, die "Erna" und die MS "Wohlfart". Mit Hilfe des Rettungsbootes gelangte Kapitän Nagel und Matrose Blohm zur MS "Wohlfart". Das Leck auf der "Merkur" konnte mit Hilfe der Besatzung der "Erna" notdürftig abdichtet werden und unter ständigen Lenzen konnte sich das beschädigte Schiff in Begleitung der "Erna" und der "Wohlfart" nach Holtenau retten. Die Ursache für den Unfall war wohl, dass der Kapitän trotz der schlechten Sicht (Nebel) das geben von Nebelsignalen eingestellt hatte.
Bei einem winterlichen Besuch im Landesarchiv Schleswig stöberte ich mit dem Ziel Informationen über Seeunfälle in deutschen Gewässern zu bekommen in alten Seeamtsakten. Diese Art der Recherche eignet sich gut, um Informationen zu schon gefunden und nicht identifizierten Wracks bzw. zu noch nicht aufgespürten Schiffen zu bekommen. Dabei stolperte ich über eine Akte des Preußischen Seeamtes Flensburg aus dem Jahre 1933. In dieser Akte befanden sich Berichte mehrerer Kapitäne in denen eine Kollision zwischen dem Motorsegler "Marie" und dem Motorsegler "Merkur" in der Nähe der Schleimündung beschrieben wurde. In der Folge der Kollision sank ein Schiff mit dem Namen "Marie". In einer Skizze die in der der Akte war wurde deutlich dass, der Kollisionsschaden der "Marie" mit dem Schaden der "Tjalk Falshöft" in Position und Lage gut übereinstimmte. Auch die Schiffsgröße und das Seegebiet in dem sich der Unfall ereignete passt zur "Marie". Schiffsbilder oder eine Beschreibung genauerer Schiffsmerkmale zur Identifikation gab es in der Akte leider nicht. Lediglich die Größe der Laderäume mit ca. 49 NettoRegisterTonnen (entspricht ca. 140m³) wird angegeben. Also musste die Ladung als viertes Indiz zur Identifikation herhalten. Laut des Reiseberichtes sollte die "Marie" zum Zeitpunkt des Unterganges ca. 130t Zement an Bord gehabt haben. Aus meiner Erinnerung gab es in den Laderäumen der Tjalk nur Schlamm. Auch die Befragung von anderen Tauchern im Forum brachte keine Erkenntnisse über die Ladung. Also fuhren Jörn und ich, Ende Juni 2014 zu dem Wrack, um uns nochmals genauer die Laderäume anzuschauen. Und tatsächlich fanden wir in den vorderen Laderäumen, unter einer dünnen Schlammschicht eindeutig Zement.
Damit gibt es folgende Übereinstimmungen zwischen der "Tjalk Falshöft" und der "Marie":
- Ladung Zement
- Schiffstyp Motorsegler
- Kollisionschaden am Bug auf Stb-Seite
- Seegebiet vor Schleimünde (außerdem passt die Angabe der Fahrzeit von der Untergangsposition nach Holtenau mit einer Geschwindigkeit von 4kn)
Fazit: Bei der Tjalk Falshöft handelt es sich, mit fast 100% er Sicherheit, um den am 05. März 1933 gesunkenen Motorsegler "Marie", unter dem Kommando von Kapitän Nagel.
Viele Grüße Rocco
Copyright der Bilder liegt bei Jörn.
Identifizierung der "Tjalk Falshöft"
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Rocco
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Identifizierung der "Tjalk Falshöft"
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joern_k
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Re: Identifizierung der "Tjalk Falshöft"
Sehr schön und spannend geschrieben, Rocco.
Hier ist auch schon ein kurzes Beweisvideo von unserem Tauchgang am letzten Wochenende
Gruß
Jörn
Hier ist auch schon ein kurzes Beweisvideo von unserem Tauchgang am letzten Wochenende
Gruß
Jörn
Zuletzt geändert von joern_k am 04.07.2014 07:13:22, insgesamt 1-mal geändert.
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Re: Identifizierung der "Tjalk Falshöft"
Sehr schön. Ich hatte das liegende Rundholz allerdings immer für den Mast gehalten. Nun gut, könnte auch der Baum sein.
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Blacky
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Re: Identifizierung der "Tjalk Falshöft"
Tolle Recherche, toller Bericht. Dank dafür.
Ein "Wrack-Mädel" mehr für die nächste "Wrack-Mädelz" Tour
/Dirk
Ein "Wrack-Mädel" mehr für die nächste "Wrack-Mädelz" Tour
/Dirk
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ulrich
Re: Identifizierung der "Tjalk Falshöft"
Super gemacht und tolle Recherche. Und gut zu lesender Bericht.
Mal sehen ob unsere Nachkommen auch noch die Möglichkeit haben in Archiven zu blättern oder ob die Informationen dann im digitalen Nirvanna verschwinden??
Ulrich
Mal sehen ob unsere Nachkommen auch noch die Möglichkeit haben in Archiven zu blättern oder ob die Informationen dann im digitalen Nirvanna verschwinden??
Ulrich
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deepspace-9
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Re: Identifizierung der "Tjalk Falshöft"
Bravo Zulu - wie die Marine sagen würde!
Jetzt alle Karten und GPS-Einträge im Navi/SI ändern
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Die deutsche Rechtschreibung ist Freeware - Du darfst sie kostenlos nutzen.
Allerdings ist sie nicht Open Source, d.h. Du darfst sie nicht verändern oder in veränderter Form veröffentlichen!
Allerdings ist sie nicht Open Source, d.h. Du darfst sie nicht verändern oder in veränderter Form veröffentlichen!
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Jürgen
Re: Identifizierung der "Tjalk Falshöft"
Moin Rocco,
tolle Recherche! Hat bestimmt einiges an Zeit gekostet.
Glückwunsch zum Ergebnis!
Gruß
Jürgen
tolle Recherche! Hat bestimmt einiges an Zeit gekostet.
Glückwunsch zum Ergebnis!
Gruß
Jürgen