Wrackrecherche vor Rügen

Wismar, Warnemünde bis Kap Arkona auf Rügen
(Öffentlich)
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philipaushamburg
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Wrackrecherche vor Rügen

Beitrag von philipaushamburg »

Vorläufiger Bericht über den Schlepper Mannhein

Silke, zwei Kameraden, Blacky und ich konnten vor Rügen einige neue erkenntnisse über ein Wrack gewinnen. Darüber möchte ich berichten.

Vor mehreren Monaten ließ mich ein Kamerad aus Rügen Einblick in einige seiner Recherche Ergebnisse nehmen.
Über Hinweise von Netzfischern hatte er eine Position erhalten. Dort hatten diese ein Schleppnetz verloren. Vor Ort fand er dann einen Schlepper vor.
Dass musste natürlich näher untersucht werden. Da meine geplante Russlandtauchtour ausgefallen war, als Ersatz hatten Silke und ich für eine Dauer von zwei Wochen verschiedene Wrackuntersuchung auf Rügen geplant.

Die sehr weit draußen liegende Position war als Alternatives Ziel für eine besonders gute Wetterlage vorgesehen. Auch wenn unser neues Boot die Einsatzreichweite sehr erhöht hat, ist eine derart weite Anfahrt auf die offenen See selbst mit dem „Tagedieb“ eine Herausforderung und kann nur unter günstigen Bedingungen erfolgen.
Tagedieb am Land.JPG
Tagedieb.jpeg
Bilder Tagedieb

Dann hatten wir Glück und geeignetes Wetter für diese weite Ausfahrt war da. Am frühen Morgen haben wir im Hafen unsere Tauchflaschen auf den Tagedieb verladen und sind in Richtung Abenteuer aufgebrochen. Während der Anfahrt sprachen wir noch verschiedene Tauchdetails durch.
An der Position angekommen warfen wir zuerst eine Markierungsboje und starteten unsere Umfeldsuche mit dem Sidescan Sonar. Sofort hatten wir das Wrack auf dem Bildschirm, es zeigte ein intaktes Wrack an, nicht zerbrochen oder einzelne verstreute Teile.
Brennend vor Neugier starteten wir unsere Tauchgänge.
Das Wrack liegt auf ebenem Kiel auf sandigem Untergrund. Toll anzuschauen. Es handelt sich vermutlich um ein Schlepper mit Stahlrumpf und Holzdecks. 27m lang und ca. 5,7m breit. Die Decksaufbauten sind rasiert. Trotzdem läßt sich noch eindeutig ein Schlepphaken und ein Trossenabweiser auf dem Achterdeck ausmachen.
Trossenabweiser.png
Bild Trossenabweiser

Unsere nähere Untersuchung förderte einiges an Porzellan zu tage. Einzig verwertbar schien die Beschriftung auf einen Tellerrand „DAG“.
Geschir DAG.JPG
Bild Teller DAG

Eine aus verzinntem Blech gefertigte Petroleumlampe war uns in dieser Bauform nicht bekannt, gab aber auch keine weiteren Hinweise.
Ein sehr schöner, und vollständig intakter, Bleiakkumulator mit Glasgehäuse und Porzellanverschluß gab uns auch keine weiteren Hinweise.
Screenshot_20170827-161754.png
Bild Bleiakku

Unsere Untersuchungen zeigten ein sechs Zylinder Motor, vermutlich ein Diesel Motor.
Sechszylinder.png
Bild Sechszylinder



Auf dem Wrack ragte aus dem Schlamm eine runde Holzstruktur mit einem Messingstreifen daran. Nach den Freilegen zeigte sich das gut erhaltene Steuerrad. Und dieses war mit zwei Seilbündeln, abgehendend von zwei unterschiedlichen Handgriffen mit einer Art Messinghandlauf verbunden. Der Schlamm hatte die Schnüre ebenso wie das Holz konserviert. Das Steuerrad war also festgesetzt gewesen.
Steuerrad.png
Bild Steuerrad

Und dann stieß Silke, geleitet durch diese doch so typische grünliche Verfärbung des Schlammes, auf ein stark verkrustetes Messingschild inmitten der zerstörten Schiffsaufbauten, aber ganz eindeutig eine ca. 20 x 25cm große Tafel mit erhabenen Buchstaben darauf.
Zurück an der Oberfläche konnte man deutlich erkennen, dass das Schild in der unteren Schicht feuerrot lackiert war, nur die erhabenen Buchstaben waren nicht lackiert. Später muß das Schild dick mit einer grauen Farbe überstrichen worden sein. Die graue Farbe machte den Eindruck, als ob es sich um eine in früheren Zeiten gebräuchliche Rostschutzfarbe, genannt Bleimenige, handelte. Es könnte sich auch um einen zeitgenössischen Anstrich in Marinegrau handeln. Falls die Wracks in den Zeitraum 1936 bis 1945 gesunken sind. Aber ursprünglich muß es sich also um ein rotes Schild mit erhabenen goldfarbenen Buchstaben gehandelt haben. Durch die Grünspanbildung auf den Messing lösten sich die Farben plackenweise.
Eine Werft an Rhein, wir hatten ein vermutlich Binnenschiffwerft vor uns.

Screenshot_20170827-161921.png
Screenshot_20170827-161923.png
Erste Recherchen brachten aus dem näheren Umfeld einen Bericht zu einem anderen Schiff dieser Werft hervor:

„ … bei der Werft wurden Schlepper /Fischkutter gebaut – Bekannte von uns (nicht wir ) haben in den 1970ern einen alten Kutter gekauft und in Eigenarbeit zum Wohnschiff umgebaut. Sie sind den Rhein runtergefahren und auf die Nordsee. Toller Seegang, der Kahn schaukelte wie ein Karussell (Anmerkung: dafür war das Schiff auch nicht gebaut, ein Binnenschiff gehört nicht auf die offenen See)
Die Bilgenpumpen versagten ihre Arbeit / Reste in der Bilge verstopften immer wieder die Pumpen /Holländische Helfer nehmen das Ding in Schlepp – Wasser im Schiff steigt – externe Pumpen halten es am schwimmen- nach einschleppen nach Texel oder Vieland?? wurde das Schiff nicht wieder instandgesetzt, verkauft an Abwracker….“
Soweit der uns vorliegende Bericht über die Hochseeeignung eines Schiffe von dieser Werft. Ob dass für alle Schiffe von dort zutrifft können wir natürlich nicht sagen.
Mit dem Schild und den anderen Informationen hatten wir zumindest einen guten Rechercheansatz in der Hand. Da wir bei unseren ersten Untersuchungen das Wrack nicht vermessen, noch die Ausrichtung ermittelt hatten, war eine weitere Untersuchung erforderlich.

Blacky aus Hamburg und Jörg aus der Nähe von Stralsund sagten sofort Unterstützung zu. Als endlich geeignetes Wetter vorhergesagt war, brach Blacky, um rechtzeitig zu uns zu stoßen, morgens um 5.30 in Hamburg auf.
Schnell hatten wir die Tauchflaschen für die vier geplanten Tauchgänge verstaut und düsten über das noch recht aufgewühlte Wasser weit raus auf die offene See .
Wir sprachen unser verschieden Aufgabe nochmal durch und starteten unsere Tauchgänge. Nach dem Jörg und ich die Vermessung des Wrackes beendet hatten untersuchten wir alle, jeder für sich, das Wrack. Ich fertigte weiteres Videoaufnahmen an. Am Heck angekommen erkannte ich eine regelmässige Linie durch den dort starken Miesmuschelbewuchs. Ich fing an diesen Bereich von dem Bewuchs zu befreien. Schnell trug die Strömung den aufgewirbelten Mutt fort und ich konnte ein A erkennen. Am Heck befanden sich aufgeschweißte Buchstaben.
Ann.png
Bild Teilschriftzug ANN

Nun war ich Feuer und Flamme und entfernte am gesamten Hecksüll den Bewuchs.
Nach dem sich die Sicht wieder verbessert hatte prangte Groß und Fett der Name des Schiffes vor mir:
Screenshot_20170827-161923.png
nheim.png
Bild Mannheim (zusammengesetzt)

Mal konkrete Ergebnisse ohne trockene Recherche. Natürlich müssen wir noch weiter Recherchieren. Können wir ausschließen, dass es sich bei Mannheim nicht um den Heimathafen handelt? Können wir in den Archiven Hinweise über die „Mannheim“ finden. Untergangursache und -Datum sind uns bisher nicht bekannt. Es bleiben also Unsicherheiten und auch viele Fragen offen. Bisher haben wir noch keine weiteren Berichte über dieses Wrack oder dessen Identität finden können. Das folgt nun im Anschluss zuhause..
Bei unseren vorläufigen Bericht haben wir bedeutende Tatsachen nicht erwähnt. Vor deren Veröffentlichung möchten wir gerne unsere eigenen Recherchen abschließen. Das bitten wir uns nachzusehen.
Gern berichten wir erneut, sobald uns weitere Erkenntnisse vorliegen.


Auf Kameraden. Raus auf See. Abenteuer warten

Grüße aus Hamburg
Silke und Philip
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Gruß aus Hamburg
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Rocco
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Re: Wrackrecherche vor Rügen

Beitrag von Rocco »

Moin Philip und Silke,
vielen Dank für den tollen Bericht. Sehr tolle Aktion. Das sind die Geschichten die unser Hobby so spannend machen. Ich kann mich gut in das Gefühl hineinversetzen, am Heck den Schriftzug zu finden. Echt klasse! Wenn wir uns demnächst mal sehen bin ich gespannt auf die ganze Geschichte.

Viele Grüße Rocco
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Seacam
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Re: Wrackrecherche vor Rügen

Beitrag von Seacam »

Toller Bericht. Macht Lust auf mehr oder Meer. :-) Viel Erfolg bei den weiteren Recherchen.
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joern_k
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Re: Wrackrecherche vor Rügen

Beitrag von joern_k »

Spannender Bericht - Danke dafür.
Und viel Glück noch bei der weiteren Recherche.

Gruß
Jörn
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FrankBorrmann

Re: Wrackrecherche vor Rügen

Beitrag von FrankBorrmann »

Moin Silke & Philip - Tolles Abenteuer super Bericht - Respekt (;-) Euch Stets Gut Luft & Fette (Foto)Beute Frank
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Thorben

Re: Wrackrecherche vor Rügen

Beitrag von Thorben »

Sehr spannender Bericht, bin auf die weiteren Ergebnisse gespannt.
Viele Erfolg bei der weiteren Nachforschung.
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Tim@BlueSpirit.de
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Re: Wrackrecherche vor Rügen

Beitrag von Tim@BlueSpirit.de »

Hey Philip, dem schließe ich mich an. Vielen Dank für den spannenden Bericht!
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Falko85
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Re: Wrackrecherche vor Rügen

Beitrag von Falko85 »

Moin Philip,

danke für den spannenden Bericht.
Da sieht man mal wieder, wenn einen das Wrackfieber gepackt hat, dass gibt es kein Halten mehr!
Euer neues Boot macht einen guten Eindruck, relativ viel Platz an Bord, praktisch zum Tauchen.
Was das für ein Typ? älterer Bayliner?

MFG
Falko
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deepspace-9
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Re: Wrackrecherche vor Rügen

Beitrag von deepspace-9 »

Da ich den Werdegang Deiner neuen Tauchplattform mitverfolgen konnte kann ich behaupten, Du hast Dir den Erfolg und das Abenteuer hart erkämpft und die Bilder und der Bericht bestätigen - es hat sich gelohnt!
Sehr schöner Bericht und ich bin auf den Rest der Geschichte gespannt!
Saubere Arbeit!
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