Ballastbedarf, Süss- vs. Brackwasser

Hier findet Ihr sinnvolle Anleitungen, Tipps und Tricks, die bei unseren Diskussionen aufkommen und es Wert sind, hängen zu bleiben. Ich hoffe auf viel Videokram.
(Öffentlich)
Benutzeravatar
erstebc

Ballastbedarf, Süss- vs. Brackwasser

Beitrag von erstebc »

Hallo miteinander,

ihr könnt mir bestimmt helfen und mir sagen ob ich auf dem richtigen Weg bin.

Wir (ich und mein Sohn) tauchen hier im Süsswasser mit 7 bzw. 5kg Blei. Das reicht offenbar, wir können auch mit leeren Flaschen im Flachwasser die 2m sicher halten.

Ich habe letztes Jahr schon mal getüftelt, wie viel Gewicht zusätzlich nötig werden könnte, am Schluss ist es bei einer groben Schätzung nach dem Motto "viel hilft viel" geblieben. Das waren dann großzügig 50% Aufschlag. Wahrscheinlich völlig blödsinnig, in Anbetracht geringer Tiefen und des vorhandenen Jacket-Volumens aber (aus meiner Sicht) gefahrlos.
- Der PADI-TL, bei dem mein Sohn den Schein gemacht hat, war überfordert. Dem war noch nicht einmal bewusst, dass sich durch den Luftverbrauch der Auftrieb während des TG verändert und man dies berücksichtigen sollte. Hat mein (PADI-)TL damals auch nicht ausdrücklich erwähnt, ebenso wenig wie die Tatsache, dass es Aluflaschen gibt. Das war nicht gut, ist aber gutgegangen.
- Die Leute auf der Tauchbasis auf Fehmarn sind auch eher nach dem Motto "lieber etwas mehr" verfahren. Klare Antwort Fehlanzeige.
- Ein Urlauber, der sich ziemlich gleichzeitig mit uns fertig gemacht hat, hat noch heftiger aufgeladen...

Da aber der Dichteunterschied nur ~2% beträgt müsste doch der Auftrieb praktisch gleich sein wie im Süsswasser, oder? Das sind 100 bis 200g hin oder her, das machen doch schon Messer, Lampe/Kamera,...?

Gibt es einen vernünftigen Anhalt? Zuviel Blei ist nicht sinnvoll, zu wenig gefährlich.

Grüße aus dem Süden

Erik
Benutzeravatar
Tim@BlueSpirit.de
Administrator
Beiträge: 4694
Registriert: 17.11.2009 22:31:07
Has thanked: 11 times
Been thanked: 2 times

Re: Ballastbedarf, Süss- vs. Brackwasser

Beitrag von Tim@BlueSpirit.de »

Moin Erik,

also meine persönliche und NICHT Lehrbuch-Meinung: In der Ostsee merkt man den Unterschied zum Süßwasser quasi nicht. Ich jedenfalls nicht, denn ich bin ein glühender Verfechter des Komfortbleis. Lieber ein paar Kilo zu viel als ständig Stress wenn sich irgendwo im Anzug ein Pups verklemmt hat.

Aber ich bin erstens kein TL, habe zweitens keine Ahnung und drittens tauche ich immer noch M15!

Und genauere Aussagen bekommst du zu deiner Frage ohne genaue Angaben über verwendete Konfigurationen voraussichtlich eh nicht. ;)

Tim
Benutzeravatar
erstebc

Re: Ballastbedarf, Süss- vs. Brackwasser

Beitrag von erstebc »

Moin Tim,

das bestätigt zumindest meine Vermutung. Detaillierte Infos zur Ausrüstung würden auch nicht weiterhelfen, da zumindest in meiner Bioprenschicht eine Unbekannte steckt... :oops:
Was ist exotisch an der Mono 15l? Ich hab das bisher für normal gehalten, auch wenn es etwas wuchtig ist. Hier im Binnenland sind 300bar-Füllstationen noch etwas rar, sonst wäre eine kleinere Flasche auch nett.
Benutzeravatar
joern_k
Beiträge: 716
Registriert: 18.11.2009 17:05:53
Wohnort: Lübeck
Has thanked: 2 times

Re: Ballastbedarf, Süss- vs. Brackwasser

Beitrag von joern_k »

Moin,
ich würde auch einfach die pragmatische Methode verwenden - einfach ein bisschen mehr Blei mitnehmen und sehen wie es passt. Wenn es zu viel war, das nächste mal etwas weniger einpacken.

Wenn Du es natürlich genau ausrechnen willst kannst Du ja mal folgende Überlegungen anstellen:
Mal angenommen, Du wiegst mit samt Deiner kompletten Ausrüstung 100kg. Wenn Du im Süßwasser komplett untergetaucht und austariert bist, verdrängst Du also exakt 100kg Süßwasser.
Wenn Du jetzt in der gleichen Konfiguration ins Salzwasser steigst, verdrängst Du zwar das selbe Volumen Salzwasser, dieses Volumen wiegt aber etwas mehr - dieses mehr Gewicht verdrängten Wassers musst Du durch Blei ausgleichen.
In der westlichen Ostsee liegt die Salinität bei etwa 1.5-1.8%, die Dichtedifferenz zu Süßwasser bei etwa 1% - bei den angenommenen 100kg Gesamtgewicht musst Du also 1kg Blei mehr mitnehmen.
Die 2% von denen Du oben sprachst gelten eher für richtiges Salzwasser (also Nordsee oder Atlantik). Welche Dichte das Wasser genau in den verschiedenen Regionen hat kann Dir sicher Rocco sagen, der tariert von Berufs wegen größere Objekte unter Wasser :-) .

Gruß
Jörn
Benutzeravatar
Tim@BlueSpirit.de
Administrator
Beiträge: 4694
Registriert: 17.11.2009 22:31:07
Has thanked: 11 times
Been thanked: 2 times

Re: Ballastbedarf, Süss- vs. Brackwasser

Beitrag von Tim@BlueSpirit.de »

Na in diesem Kreis ist die M15 total exotisch bzw ohne mich wäre sie wohl fast ausgestorben. Lange war die D12 Standard, inzwischen scheint es fast schon der JJ oder ein Wiederkäuer allgemein zu sein.
Benutzeravatar
NvG

Re: Ballastbedarf, Süss- vs. Brackwasser

Beitrag von NvG »

Jörn, vielen Dank für die erleuchtende Erklärung!

Tim, also ich hätte noch eine "D15", verkaufe sie aber auch einzeln, stehen bei mir nur rum ...
IMG_1380.jpg
Du hast keine ausreichende Berechtigung, um die Dateianhänge dieses Beitrags anzusehen.
Benutzeravatar
Tim@BlueSpirit.de
Administrator
Beiträge: 4694
Registriert: 17.11.2009 22:31:07
Has thanked: 11 times
Been thanked: 2 times

Re: Ballastbedarf, Süss- vs. Brackwasser

Beitrag von Tim@BlueSpirit.de »

Ich sach doch, ich schütze eine quasi ausgestorbene Rasse von Druckbehältern. Manche kriegen noch Gnadenbrot... :D
Benutzeravatar
erstebc

Re: Ballastbedarf, Süss- vs. Brackwasser

Beitrag von erstebc »

Die Beschreibung von Jörn hilft mir wirklich weiter. Es geht ja auch nur um eine erste Abschätzung, nicht ums letzte Gramm (darauf kommt es bei mir eh nicht an...) Wenn ich mich mit Equipment wiegen muss ich allerdings zum Viehhändler... Das geht wohl nur in Teilen.

NvG, sind das 200 oder 300bar-Flaschen? Ich habe meinem Sohn zwar gerade eine 10er/200bar gekauft, die hat aber auch nur einen Abgang und er wird ja auch größer. Im Moment wäre ein 65kg-Jugendlicher mit einer ~20kg Flasche vielleicht noch etwas unwuchtig.
Außerdem sind mancherorts zwei Regler gefordert, das macht Doppelventile erforderlich. Obwohl ich bisher beim Cyclon noch nie Probleme mit Vereisung hatte, auch nicht im wirklich kalten Bodensee.

Gruß

Erik
Benutzeravatar
NvG

Re: Ballastbedarf, Süss- vs. Brackwasser

Beitrag von NvG »

200 bar, 17,7 kg. Meine Jungs (11 und 13) haben mittlerweile statt Mono7 Doppel4, wiegt nur ein paar Gramm mehr, können sie aber ohne STA[1] benutzen und gewöhnen sich an Brücke, geile Wasserlage und an kommende Größen. Also zwei M7 stehen ebenfalls zum Verkauf zum Schlosserpreis.

[1] Single Tank Adapter
Benutzeravatar
erstebc

Re: Ballastbedarf, Süss- vs. Brackwasser

Beitrag von erstebc »

Moin Jörn,

wir haben mal gewogen, es bietet sich an da wir heut Abend zum Kacheln zählen gehen. "Systemgewichte" einmal 95 kg und einmal 165kg, da hält sich der Aufschlag dann mit ~1...1,6kg ja im Bereich des grauen Rauschens.

Danke für den Tipp, ich habe immer nur das Bleigewicht isoliert betrachtet, nicht das "Gesamtsystem".


Moin NvG,

ich unterhalte mich mal mit meinem Junior, mal sehen was der meint. Die 5kg mehr an Flasche kann er bestimmt (ver-)tragen. Würde auch gut passen, wir fahren in den Ferien für zwei Wochen nach Fehmarn. Da kämen wir ja an Lübeck vorbei.
Doppelflaschen würden erfordern, dass wir die Halterungen/Rückenplatten tauschen/ändern, da sind wir beide nur für Monos gerüstet.

Betreffend der Wasserlage, wie ist das zu verstehen? Schwerpunkt näher am Körper, strömungsgünstiger? Ich hab hier nur mit Karibiktauchern zu tun, die setzen da andere Schwerpunkte...


Grüße aus dem Süden

Erik