[vimeo]https://vimeo.com/308722618/f2db357809[/vimeo]
Die Rahmenbedingungen waren bombastisch. Wir hatten ein großes Haus mit allen Annehmlichkeiten fast neben dem Schiff, selbiges für uns allein (in der Saison bis zu 38 Taucher + 4 Mann Crew!), eine große Garage für unser Gelöt inkl. Sauerstoff, eine Sauna zum Trocknen der Sachen, obwohl es selbst im November noch 22° warm und sonnig war - Wasser 17-18° - und von morgens bis abends beste Laune. Die ersten Tage erkundeten wir die Nachbarinseln, Buchten und Grotten, dann flog Derk Remmers ein, der unser Instructor für die kommenden drei Tage sein sollte. Unser dritter Mann ist leider kurzfristig abgesprungen, aber da Käthes Freundin den Fundi bereits hatte wurde sie kurzerhand zu einem Kurs verpflichtet, auch wenn sie mit Scootern bis dato herzlich wenig zu tun haben wollte ... Ich ging auch relativ unbeleckt in den Kurs, hatte höchstens 30 motorisierte Tauchgänge hinter mir, Käthe war uns weit voraus, brauchte den Kurs jedoch um eines Tages selbst ausbilden zu können.
Ich nehme es vorweg: Es hat sich mächtig gelohnt! Abgesehen vom Spaß und der ganzen Action sowie dem Drumherum an Bord und an Land ist jeder Cent der 500 € Teilnahmegebühr sinnvoll investiert. Drei volle Tage Theorie und Praxis, jetzt habe ich so langsam das Gefühl ich fahre das Ding und nicht umgekehrt. Jedenfalls ist er seitdem fast immer dabei und kein Klotz, zusätzlicher Aufriss oder gar Sicherheitsrisiko mehr, selbst beim Fotografieren stört er nicht. Auch Keith, der seit vielen Jahren scootert, hat einiges Neue gelernt und war nur am Grinsen - zumal wir dann auch mal getauscht haben (T16 gegen XJ37) und er meinte, mit Vmax durchstarten zu müssen ... Bei seiner Größe und seinem Gewicht könnt Ihr Euch vorstellen, wie beide Automaten sofort wild geblasen haben - was haben wir uns bepisst vor Lachen, ich glaube sogar wortwörtlich, aber waren ja alle angestöpselt ...
Zu den Anforderungen, hier im Detail nachzulesen https://www.gue.com/content/diver-propu ... le-level-1:
Es ging gar nicht so sehr um das Ziehenlassen an sich, dazu gehört ja auch nicht allzuviel. Aber das Handling und vor allen Dingen der Umgang mit dem Gerät in besonderen Situationen prägten den Kurs. Das fing bei Fahrt auf einer Linie unter ständigem Blickkontakt zum Tauchpartner an (mit DPV ist man ca. dreimal so schnell wie zu Fuß, das Risiko sich zu verlieren wesentlich größer), ging über diverse technische Defekte wie z.B. Durchbrenner oder wenn das Ding voller Wasser ist und wie ein Stück Blei zu Boden zieht bis hin zu (in unserem Fall, dafür hatte Derk seine Airgun, sogar Tec)Szenarien wie Gasspende, Ventilmanagement, Abschleppen ... Natürlich kam auch das Fahren selbst nicht zu kurz, ich glaube sogar wir haben etwas mehr gemacht als sonst auf dem Plan steht, jedenfalls wüsste ich nicht, dass Loopings in beide Richtungen und Rückenfahrten auf dem Zettel stehen - ist auch nicht sonderlich hilfreich im Alltag, aber macht Spaß und vor allen Dingen schafft es Vertrauen zum Scooter. Wir haben die drei Möglichkeiten gelernt wie man steuert und wie man diese kombiniert für effektive U-Turns, die verschiedenen Arten des Aufstoppens und auch die Standards wie Boje-Schießen und Aufstiege in der Wassersäule kamen nicht zu kurz.
Ich will und kann nicht behaupten, nun ein Virtuose am Trigger zu sein, aber ich kann gut mithalten und der Rest kommt durch Erfahrung. Der Grundstein jedenfalls ist gelegt. Morgen z.B. habe ich sozusagen als Jahresfinale 2 x 1,4 km (Scharbeutz Kammer <> Seebrücke) vor mir, dafür werde ich eine gute Stunde brauchen. Mehrfach paddelnd mit Stage versucht, aber auf dem Rückweg ging mir stets das Gas aus (ob nun schnell mit hohem AMV oder extrem entspannt mit Sparatmung) und ich musste links rauf auf den Strand und im hüfthohen Wasser hunderte Meter weit latschen ...
Bleibt abschließend zu sagen, dass ich - wie auch bei allen anderen Fertigkeiten - Übung brauche und stets Partner suche. Ich bin also immer für interessante Touren (muss nicht immer Seerunde Hemmoor sein) oder auch nur Skills am Plöner Anleger zu haben. Motorisierte Taucher sind selten, morgen z.B. hängt mir mein Buddy (mal wieder) im Schritt, was sich aber tatsächlich nur sehr leicht auf die Geschwindigkeit auswirkt, kaum zu glauben. Ich merke nicht einmal wenn er loslässt! Im Kurs hatten wir das übrigens auch, Derk (großer Kerl!) bei mir hinten dran, irgendwann drehe ich mich um weil ich seine Hand nicht mehr auf dem Oberschenkel spüre, er weeeeiit hinten - und natürlich gleich OUT OF GAS wild mit der Lampe fuchtelnd!
Apropos Derk Remmers http://www.derkremmers.de: Den Kurs hat er souverän gegeben, es war ein großartiges Vergnügen. Da ich mein Salzwassergewicht nicht dabei hatte mussten wir improvisieren: Er nahm ein paar Blindstopfen und sonstigen Stahl in die Hand, wiegte alles mit Kennermiene, sortierte etwas hin und her und meinte schließlich das müsse passen - der Scooter war auf das Gramm neutral! Wie beim Fleischer wenn man mit der ersten Kelle exakt 500g Hack bekommt ...Und er war noch nie an den Tauchplätzen, alles neu für ihn wie für uns! Und am Ende der langen Tauchgänge waren wir direkt neben dem Boot, jedesmal, keine Ahnung wie er das machte. Ich war nur mit mir, dem Scooter, den Tauchpartnern und den Übungen beschäftigt - wenn dazu noch Orientierung käme wäre ich raus. Und da sieht ja alles gleich aus, Steine und Steilwände ...