Zunächst mal hatten sich die Norweger im Vorfeld eine neue Aufgabe oder neudeutsch Challenge für uns überlegt.
Nachdem wir im Jahr 2017 morgens und abends eine Logistische Meisterleistung aufgrund der verhinderten Hafeneinfahrt wegen Brückenbauarbeiten vollbracht hatten, mussten wir uns für 2018 eine neue Unterkunft suchen. Aus nicht weiter erläuterten Gründen hat die Stadtverwaltung dem Tauchclub untersagt das Clubhaus für Übernachtungen zu vermieten. Um nicht jeden Tag zu viel Zeit zu verlieren sollte es etwas Bezahlbares in naher Umgebung vom Clubhaus sein. Eine passende Unterkunft wäre nur 3 Minuten zu Fuß vom Boot entfernt gewesen aber aufgrund unserer Aufenthaltsdauer von 10 Tage spielte die Vermieterin nicht mit.
5 Autominuten entfern hatten wir über Airbnb dann etwas gefunden.
https://www.airbnb.de/rooms/15770146?guests=1&adults=1
Gebucht, bezahlt, erledigt.
Nächste Aufgabe, Team Zusammensetzung. Aufgrund von Urlaubsüberschneidungen konnte das alt bewährte Team der Jahre zuvor nicht antreten. Dirk und Zille waren anderweitig verplant und wir mussten adäquaten Ersatz für die beiden finden. Als Ersatzmann wurden Jörg Peter Klaus und Moritz Blumenstock benannt. Zu dem Mann mit den drei Vornamen brauche ich glaube ich nichts weiter sagen, ich denke die meisten von euch kennen ihn bereits. Moritz Blumenstock kommt aus meiner Gegend, quasi aus dem Nachbardorf, er taucht seit 2016 und ich konnte Ihm seither schon einiges Beibringen. Nur das Sidemount tauchen konnte ich ihm noch nicht abgewöhnen. [Anmerk. der Redaktion: Alle Teile ein D12 zu bauen sind inzwischen bestellt...]. Mit meiner Wahl konnte ich auch die teure Anfahrt nach Hamburg nun durch zwei teilen, bedenke die Tour wird teurer durch die zusätzlichen Kosten für die Unterkunft. Zwar hat James, der Klubchef uns einen Preisnachlass zugesagt doch ganz Kostenneutral sollte es nicht werden. Wo waren wir stehen geblieben? Teamzusammenstellung, genau. Nachdem also unser ursprünglicher Reiseleiter Dirk [Mutti] nun nicht teilnehmen konnte setzte ich mir die Kappe auf und übernahm die Kommunikation mit James, die Buchung der Fähre etc. Muttis zweite Hauptaufgabe, die Verpflegung wälzten wir auf Carsten ab, der sich dazu aber auch schon im Vorfeld freiwillig dafür gemeldet hatte. Dann kanns ja los gehen.
Am Freitag dem 21.09.18 fingen wir dann Nachmittags an 3 T50 Sauerstoff, diverse Kästen Bier (der Bedarf steigerte sich in den letzten Jahren enorm), eine Monatsration Lebensmittel für eine ganze Kompanie sowie diverse Tauchutensilien in Anhänger und PKW zu laden. Somit waren Philip, Carsten, Max und Moritz schonmal startklar. Sorgen machte uns nur noch das Wetter zu diesem Zeitpunkt. Ein Sturmtief über Dänemark und Süd Norwegen sorgte für den vorübergehenden Stopp der Fährlinien ab Dänemark, auch unsere Fähre wurde gecancelt. So beschlossen wir noch während des Abendessens, dass wir am nächsten Tag nicht schon um 5 Uhr, sondern erst um 11 Uhr Richtung Hirtshals aufbrechen wollten. Nach dem bekanntlich guten Abendessen von Silke (bei dem uns auch Carstens Frau Tanja beehrte )und dem ein oder anderen lettischen klar Getränk gings dann in die Koje.
Samstagmorgen, von Sturm zumindest in Hamburg nichts zu sehen. Doch die Meldungen aus Funk und Fernseher zeigten warum unsere Fähre 8 Stunden verschoben wurde und erst um 20 Uhr auslaufen sollte. So nutzten wir die gewonnene Zeit um ausgiebig zu frühstücken und machten uns auf den Weg Jörg Peter Klaus an der Raststätte Hüttener Berge ab zu holen.
Dort stand er also, verlassen, unter osteuropäischen Truckern, sein Tauchgerödel im Wert eines Kleinwagens bis aufs Blut verteidigend. War doch der mitgebrachte Bonex Scooter gar nicht sein eigener, sondern nur geliehen von der Freundin. Nachdem das ganze Zeug und die zahllosen Kanister Katzenstreu eingeladen waren konnte es weiter Richtung Dänemark gehen. Starke Windböen zeugten von den Ausläufern des Turmtiefes aber auch das konnte uns unsere Laune und Vorfreude auf Norwegen nicht verderben. Die weitere Anreise bis zur Fähre verlief ohne weitere Vorkommnisse. Ich muss nur noch den Apfelkuchen erwähnen den Carsten gebacken hat (oder in Auftrag gegeben hat, dies wurde nicht überliefert), war sehr gut.
Auf der Fähre dann das übliche Prozedere, ordentliche Plätze sichern und versuchen etwas schlaf zu bekommen. Schon kurz nach dem Auslaufen aus dem Hafen konnte man die Energie des bewegten Wassers spüren. Was zu Beginn nur ein leichtes Schaukeln war steigerte sich später zu doch recht ausgeprägten Bewegungen des Schiffs. Zumindest im Duty-free-Shop wurde die von James beauftragte Shoppingtour zum Erlebnis. Wenn man es schaffte auf den Beinen zu bleiben musste Mann aufpassen nicht von aus dem Regal fallenden Flaschen erschlagen zu werden. Das war wohl auch der Grund warum überall auf dem Flur kotzende Passagiere lagen
Doch wir schafften es noch sicher bis nach Norwegen. Gegen 2 Uhr Nachts kamen wir dann in Flekkefjord an. Nach kurzer Suche fanden wir dann auch unsere Unterkunft. Eine wirklich steile Auffahrt führte uns zum Haus. Die Schlüsselübergabe war auch recht einfach, das Haus war offen und der Schlüssel steckte von innen. Kurz das nötigste aus dem Auto geholt noch ein Absacker getrunken und dann ging es gegen 4 Uhr ins Bett.
Der nächste Morgen sah nach einladendem Taucherwetter aus, also machten wir uns nach dem Frühstück auf um unsere Tauchsachen aus zu packen und das Boot schonmal warm laufen zu lassen.
Als geübte Flekkefjord Taucher war das schnell passiert und wir konnten zu unserem ersten Tauchgang aufbrechen. Für die neuen und die alten die es vergessen hatten gab es ein kurzes Briefing, der Captain heißt Terror und was Captain Terror sagt ist das Gesetz.
Ganz traditionell ging es also zur Musikerinsel um sich mit dem Norwegischen Wasser vertraut zu machen. Auch der zweite Tauchgang des Tages wurde hier abgerissen.
Am frühen Abend folgte das übliche Prozedere, zurückfahren, Klamotten aufhängen, Flaschen füllen, in Zwischenzeit wurde das Küchenteam zur Hütte gefahren um parallel für die Verpflegung zu sorgen.
Ein gelungener erster Tag. Und so sollte es auch weiter gehen. Die Wind und Wetter Situation wechselte die Tage zwischenzeitlich mehrmals. So war es auch in den eher inneren Bereichen des Fjordes durchaus recht wellig. Diese Wettersituation erforderte eine gründliche Planung der anvisierten Spots.
Neben den üblichen Tauchspots betauchten wir in diesem Jahr das Wrack eines Schleppers im Fedafjord. Daniel Ree, der wahrscheinlich aktivste Taucher des Tauchklubb Flekkefjord, zeigte uns diesen auch von Land aus zu erreichende Spot. Der Landweg wäre sicherlich auch der, um nicht weich herüber zu kommen nennen wir es jetzt sanftere Weg gewesen. Das bewegte Wasser machte schon den Hinweg zu einem Erlebnis. Kurz vorm Erreichen des Tauchspots fanden wir noch ein weiteres Wrack. Um sicher zu stellen, dass es für eine Erstbetauchung uns vorbehalten bleibt haben wir de Nussschale abgeschleppt und an Land vertäut.
In einer kleinen Bucht winkte Daniel uns herbei und machte unser Boot an Land fest, während des Anlegemanövers begrüßte uns ein kleiner Seehund welcher aber auch so schnell verschwunden war wie er auftauchte.
Schon am Abend zuvor hatten wir ein Briefing für den anstehenden Tauchgang durchgeführt. Ziel war es die Video Aufnahmen zu optimieren, also wurde der Plan nochmal durchgesprochen und abgetaucht. Ab 6 Meter führte eine Cave Line zum Wrack. Über schlammigen Grund, vorbei an diversem Schrott und ein paar Plattfischen tauchte dann ab 40 Meter die Mona auf. Auf ebenem Kiel liegt sie da, von schwarzem Wasser umgeben. Schon gleich beginnen wir mit unserer abgesprochenen Choreographie und das Wasser scheint förmlich zu kochen. Lichtschwerter sausen durch das schwarze Wasser, Teelichter funkeln aus der Ferne. Und nach 25 Minuten die wie im Flug vergingen war der ganze Spuk vorbei. Minutiös geplant eben. Die maximale Tiefe von 48m bescherte uns eine Deko von um die 30 Minuten, je nach Bereitschaft die anschließenden Schmerzen zu ertragen. [2] Auf 6 Meter konnten wir dann in rötlich braunem Wasser mit Hilfe von Feuerquallen unser „Tarieren in Perfektion“ Brevet auffrischen.
Nach einem kurzen Imbiss bei uns an Bord verabschiedete sich Daniel, stieß uns vom Ufer ab und machte sich auf den Weg zu Frau und Kind. Und wir machten uns auf den rauen bevorstehenden Heimweg. Weil sich Captain Terror ausnahmsweise nicht durchsetzen konnte blieb es an diesem Tag bei nur einem Tauchgang.
Wo wir schon bei den Wracks sind, Helene, unsere Entdeckung aus dem Jahre 2016 verfällt immer mehr und hat an Schönheit verloren. Die Gudrun, weit über die Grenzen von Norwegen bekannt erleidet am Ruder immer mehr Zahnausfall, so dass keine Spake mehr vorhanden sind. Auch war die Gudrun auf dieser Tour eher eine Wiederentdeckung. Aufgrund von zu starkem Bewuchs des Bojenseils ist die Boje unter die Wasseroberfläche gesunken. Mithilfe einer GPS Angabe von James haben wir also unseren Anker geworfen und ein motorisiertes Explorationsteam entsandt. Ich muss wohl nicht erwähnen, dass das Team wie erwartet erfolgreich war. Wack gefunden, Boje geleichtert, die nächsten Tauchgänge dort sind gerettet. Diese Strapazen waren Anlass auf dieser Tour insgesamt 4 Tauchgänge an der Gudrun zu absolvieren. Das Seehasenmännchen an der Mastspitze kannte uns zum Schluss beim Vor und Nachnamen... Zum all Abendlichen Standard Programm gehörte unsere Filmaufnahmen aus zu werten, wir scharten uns um den Wohnzimmertisch und schauten gebannt auf dem 43" Toshiba Model LH 510V unsere getane Arbeit an.
Ihr fragt euch jetzt warum ich das Modell des Fernsehers so gut kenne? Also das war so. Mit einem Rucksack bepackt wolle ich eines Morgens nachsehen ob im Bad das Fenster zu und Licht aus ist. Dabei bin ich mit meinem Rucksack am Fernseher hängen geblieben und riss ihn zu Boden. Das Ende vom Lied war ein gebrochenes Display und eine scheiss Stimmung meinerseits, wie sollten wir nun am Abend das Ergebnis des Tages betrachten. Glücklicherweise war schnell für Ersatz gesorgt, übergangsweise diente ein Fernsehgerät vom Tauchklubb und der Vermieter bestellte sogleich einen neuen Fernseher mit bring Service. Die Fernsehmonteure wollten natürlich nicht glauben, dass beim Absturz des Fernsehers kein Alkohol im Spiel war....[Inzwischen hat auch meine Haftpflichtversicherung zugesagt für die 400€ Schaden auf zu kommen. Nachdem der Vermieter auf ein Anschreiben der Versicherung nicht reagiert hat (inzwischen weiß ich, dass es auf Deutsch war) habe ich das Geld an den Vermieter überwiesen und ich bekomme nun das Geld von der Versicherung. Hoffentlich.]
Die Abende sind also wieder gerettet. Hatte ich schon erwähnt, dass auch die Verpflegung mal wieder sehr gut war? Niemand musste Hungern und jedem hatte es geschmeckt.
James ließ es sich nicht nehmen einen Sonntag mit uns zu verbringen. So wurden wir vom Chef persönlich kutschiert. Auch Daniel war mit dabei und so fühlten wir uns sicher wie in Abrahams Schoss, wurden wir doch nun von zwei echten Nordmännern begleitet. Das Wetter sah in Flekkefjord noch sehr gnädig aus, weiter draußen aber wurde es ungemütlicher. Zwar Sonnenschein aber viel Energie im Wasser. Aufgrund der Wetterbedingungen waren wir uns etwas uneinig wo und wann wir tauchen sollten, der Tagesplan sah zudem ein Besuch im Heimatmuseum von Rasvag vor.[3] Somit einigte man sich dann auf einen Tauchgang nach dem Museumsbesuch. Das Museum zeigt die Geschichte der Gegend von der Steinzeit bis zur jüngsten Vergangenheit. Viele Exponate auf 3 Stockwerke verteilt, führen durch die vielen Epochen. Anschließend genossen wir nach einem kurzen Aufstieg den Ausblick vorm alten Lotsenhaus. James wollte uns dann noch zeigen wie stabil sein Boot ist, oder so. Auf jeden Fall wählte er eine etwas ungemütlichere Route für die Weiterfahrt. Auch James entspannter Gesichtsausdruck wich spätestens als die vierte Welle seine Zigarre nass machte. Auch wenn wir hier von einem stabilen Boot reden, wir waren 6 Taucher mit mittelschwerem Gepäck, plus Skipper. Und die Wellen hatten zu dem Zeitpunkt eine ungemütliche Größe.Wir Touristen waren uns im Nachhinein zumindest einig, dass wir eine andere Route gewählt hätten...
An diesem Tag stand ja auch noch ein Tauchgang an, wo sollte es hin gehen? Man einigte sich schließlich auf einen entspannten an der Gudrun. War ja auch erst das dritte Mal, nicht dass der Seehase unsere Namen vergisst. Alles in allem ein erfolgreicher Tag mit Spannung, Spaß und Spiel. Unsere Reise neigte sich so langsam dem Ende zu. Noch ein Tauchtag vor uns. Es galt also unser mitgebrachtes Helium noch fachgerecht zu entsorgen. Die Wahl fiel auf die Bucht Djupvik (die Bucht in der die Helene liegt). Die Seekarte versprach ein Interessantes Profil bis zu den geplanten 70 Meter. So machten sich Philip, Jörg und ich als unmotorisiertes Anhängsel an Philip auf den Weg. Bis auf 70m gab es allerdings nur Schlammlandschaft zu sehen. So war mein erster >50m Tauchgang Landschaftlich gesehen nichts Besonderes aber machte Lust auf mehr. Die Deko im Bereich ab 20m war dann auch Flora und Fauna mäßig reichhaltig wie gewohnt. So gings dann nicht nur für diesen Tag, sondern für die komplette Tour Richtung letzten Tauchgang. Ihr dürft raten wohin. Genau. Gudrun. Wir mussten uns ja noch beim Seehasen verabschieden. Und so ging auch diese Tour zu Ende. Der Heimweg verlief ohne erwähnenswerte Vorkommnisse. Wir schmissen Carsten und Jörg am Parkplatz Owschlag raus. Philip, Max und Moritz fuhren noch weiter bis Hamburg und am nächsten Tag gings dann für uns Südstaatler die letzte Etappe nach Hause.
[Die Personen und die Handlung der Geschichte sind frei erfunden. Etwaige Ähnlichkeiten mit tatsächlichen Begebenheiten oder lebenden oder verstorbenen Personen wären rein zufällig.]
[2] https://www.youtube.com/watch?v=QIebei8mVWk[/youtube]
[3] https://www.visitnorway.de/reiseziele/r ... eum/35679/