Nach mindestens zwei langen Tauchgängen war aber noch lange nicht Schluss, es folgten Dry-Runs, Theorie und vor allen Dingen Hausaufgaben. Wir sollten alles, was wir an dem Tag gelernt hatten, in eigenen Worten aufschreiben. So rekapituliert man abends noch einmal und vor allen Dingen kann man nachschlagen, das steht ja nirgends in der epischen Breite, das Wesentliche ist jedoch in den Standards[2]. Aber selbstständig denkende Taucher sind eben keine Roboter, die Szenarien wie im Kurs nach Protokoll runterrasseln, es gibt so viele Details und Zwischentöne und vor allen Dingen logischer Menschenverstand. Gerade bei GUE könnte man den Eindruck gewinnen, dass den Leuten ein Dogma eingehämmert wird, und die benehmen sich leider ja dann auch vereinzelt so. Allein das Anschreiben mit dem Brevet: Du gehörst jetzt zur Elite der weltbesten Taucher ... Klar steigt das manchem eventuell zu Kopf, aber schon im T2 aber ganz besonders im C2 wurden wir eines anderen belehrt. Auch und gerade das Erfahren der eigenen Fehlbarkeit (ich gehöre ja eher zu den Menschen die Fehler erstmal machen müssen um sie vermeiden zu können
Die Höhle absorbiert einen. Ich habe Fehler gemacht die ich vor dem Tauchgang zu 100% ausgeschlossen hätte. Zum Beispiel als erster raus aus der Höhle das Reel wieder aufnehmen (und der Buddy hinter mir?!) oder einen Doppelpfeil übersehen, obwohl ich darauf eingestellt wer, nach vier Minuten genau da in einen Nebentunnel zu springen. Dabei hat uns Tom immer eingehämmert jeden Meter der Leine einmal gesehen zu haben, wo und wie sie läuft, Ausbesserungen, Knoten und Tie-Offs und besonders Ts und Marker. Und es wurde täglich anspruchsvoller. Von anfangs normalen Tauchgängen (rein gehörte der TG immer uns, raus passierte ständig etwas) ohne Bottomstage und Dekoflasche bis hin zu Circuits/Traversen mit Setup- und Cleanup-Tauchgängen. Einen Tag haben wir die Leine und den Taucher verloren, also im Training natürlich. Wenn der Taucher weg ist und man ihn suchen muss bedeutet das eine Neuberechnung des Gases, und dann sollte man schon wissen wie weit die Stage noch entfernt ist, und dann beginnt das Rechnen wie weit man wieder reintauchen kann
Fazit: Zur Tauchelite gehören wir nun wahrlich nicht, und allein diese Erkenntnis ist gerade für das Höhlentauchen gar nicht schlecht. Aber wir haben jetzt alles an Rüstzeug, es fehlt "nur" die Erfahrung. Wir leben nicht im Hochsauerland oder im Lot, für uns sind Höhlentauchgänge weit weg. Wie auch Trimix. Also immer dranbleiben, viel reisen (die nächsten Touren sind schon geplant) und viel "erfahren". Mit dem Abschluss der Ausbildung jedenfalls ist man kein fertiger Höhlentaucher, ich jedenfalls werde auf Scooter und Stages und vielleicht auch auf die Kamera verzichten, zumindest für die Anfänge. Eine GoPro und ein Satz Videolichter indes sind schon noch drin ...
Ein Zusammenschnitt eines Tages aus mehreren Tauchgängen in einer bombastischen Cenote für einen kleinen Eindruck: https://vimeo.com/394626528/6467b6992c Für die richtige Kamera war keine Zeit, hier hatten wir zum Glück ausnahmsweise mal einen Tag für uns außerhalb des Kurses. Hier ist noch ein wesentlich professionellerer Film aus einer weiteren großartigen Höhle in der wir waren, allerdings ist darin ein anderer Schlosser zu sehen
[2] https://www.gue.com/diver-training/stan ... procedures