Als Cenoten bezeichnet man die Sinkholes, die durch den Deckeneinsturz von Kalksandsteinhöhlen entstanden und mit Süßwasser gefüllt sind. Auf der mex. Halbinsel Yucatan – quasi einer einzigen großen Kalksteinplattform, die von zahlreichen gefluteten unterirdischen Höhlen durchzogen ist – gibt es tausende dieser Sinkholes. Allein mehrere hundert sind es in der Region Riviera Maya zwischen Cancun und Tulum, in die ich gereist bin. Nahezu alle liegen auf Privatland; die Bauer dort hüten ihre Cenoten seit Generationen.
Seit den 80er wurden hunderte der Cenoten und Höhlen betaucht, erforscht und kartografiert. Ein Ende der Entdeckungen ist nicht in Sicht. Obwohl es hier sooo viele Cenoten gibt, sind es im Verhältnis wenige, die fürs Cavern Diving durch Nicht-Höhlentauchzertifizierte wie mich geeignet sind. Per Definition gilt als Cavern (Grotte) der Tageslichtbereich einer Höhle mit max. 60m Entfernung zu einer Oberfläche an der aufgetaucht/geatmet werden könnte.
Ich hatte von Deutschland aus mit der Basis Deep Dive Mexico in Playa del Carmen Kontakt aufgenommen und im Vorwege nach indiv. Absprache Cenoten-TG vorgebucht. Da an einigen Cenoten Taucherzahlen beschränkt sind und nur mit max. 4 Gästen pro Guide getaucht wird, ist eine Vorabplanung m.E. sinnvoll. Da ich mit meinem nicht tauchenden Mann gereist bin, war ich nur jeden 2. Tag unter Wasser. 2x ist Christian auch mit schnorcheln gewesen wo wir abgetaucht sin – auch da gab’s schon ein Menge für ihn zu sehen.
Nach zwei Check-Dives im Meer und zwei weiteren (wg Welle leider nicht wie geplant vor Cozumel) ging es dann endlich in die Cenoten. Wahnsinns-Bedingungen: Klares Wasser mit bis zu 80m (!) Sicht und nahezu konstante 26‘C.
Insgesamt konnte ich eine echt schöne Bandbreite kennenlernen. Flache (4-8m) und tiefere (bis 90m, die wir mit Nitrox bis 32m betaucht haben), mit und ohne Halocline (einige enthalten Salzwasserparts), lichtdurchflutete und dunkle, mit und ohne Stalagmiten/-titen, mit und ohne Sedimentbiden, trubelige voller Schnorchler und abgeschiedene im Dschungel, ebenerdig begehbare und welche mit Eingang tief unter der Erde, mit und ohne Fischbestand, mit und ihne Schwefelschicht, mit und ohne Luftkuppel (inkl. Fledermäusen), stark verzweigte/vielfältige Routen und riesige Kessel/Hallen ... keine Cenote war wie die andere! Es war eine wahre Freude so viele unterschiedliche Eindrücke zu sammeln.
Eigentlich steh ich auf „Und welche war die Tollste?“-Fragen. Aber in diesem Fall fällt mir die Antwort schwer.
Betaucht hab ich den 4 Tagen
Cenote „Eden“
Cenote „Taj Ma Ha“
Cenote „Dos Ojos“ (Ojo 2, Barbie Line)
Cenote „Dos Ojos“ (Ojo 2, Bat Cave)
Cenote „El Pit“
Cenote „Tak Be Luum“
Cenote „Taak Bi Ha“
Cenote „Zapote“
Cenote „Maravilla“
Am hübschesten fand ich „Taj Ma Ha“, in der die Stalagmiten/-titen einfach wunderschön waren.
Am meisten überrascht hat mich aber wohl die letzte, „Maravilla“. Von oben betrachtet ein ungemein romantischer, farnumwucherter kleiner Teich ein ganzes Stück in den Dschungel rein. Total untouristisch, kaum Infrastruktur, ein altes bärtiges Männchen sammelte ein paar Pesos ein. Als wir ankamen waren 3 Apnoetaucher dort. Im Briefing wurde erklärt, dass der enge Teil nur einige Meter tief geht und sich die Höhle dann wie ein Braukessel öffnet. Auf 30m sei die Schwefelschicht, in der sich interessante Wandstrukturen befinden. Als wir abgetaucht sind war schon das Lichtspiel in die Tiefe toll aber als wir den engeren Teil hinter uns ließen und in eine bahnhofsgroße Halle sanken, vergaß ich fast zu atmen vor Begeisterung. Hier konnte man die 80m Sicht so richtig begreifen, weil die echt weit entfernte Wand dieses Kessels eben ungetrübt in der Ferne vor einem lag. Und drei kleine Taucherzwerge langsam tiefer in den Kessel sanken. Um dann unten in der Schwefelschicht zu versinken. In der Wolke herrschte natürlich radikal miese Sicht, Svendborg-Feeling kam auf...
Das Highlight wartete allerdings auch wie versprochen, als wir aus der Schwefelschicht auftauchten. Ich bin niemand, dem schnell die Tränen laufen aber der Anblick, wie die beiden Taucher vor mir aus der „Wolke“ richtung blauem Lichteinfall in die Höhe schwebten - durch die unendlich klare Sicht wirkte es wirklich, als würden wir fliegen – hatte schon etwas surreal-ergreifendes! Vor Ergriffenheit habe ich einfach vergessen, dass ich eine GoPro dabei hatte ...
Die lernte in den Höhlen aber auch echt ihr Limit kennen. Bzw ihr ihrs. Denn: ohne anständiges Videolicht geht da nix! Der Guide, mit dem ich oft auch alleine los war, war so nett, ab und zu den Lichtsklaven zu spielen. Mein Tillytec Tanklampen-Spot hinterließ nur optische Brandlöcher auf der Speicherkarte
Z.B. in der Cenote „Zapote“ (aka „Hell‘s Bells“). Hier haben Unterwasserbakterien total abgefahrene Glocken-Gebilde geformt, von klitzeklein bis fast mannsgroß. Auch die hängen in knapp 30m Tiefe im Finstern, allerdings oberhalb der auch dort vorhandenen Schwefelschicht. Diese Glocken waren beeindruckend (sie sind nicht aus Stein wie die Stalagtiten) aber ich hatte eigentlich nur Augen für den in der Mitte aus der Schwefelschicht ragenden riesigen Baum. In 30m glomm die Schwefelschicht in zartem Blau vom oben einfallenden Restlicht und die schwarzen Äste ragten mystisch daraus hervor. Die GoPro sah: schwarz. Sehr schade.
Leider hatte ich nicht die Gelegenheit, die Cenote „Angelita“ zu betauchen, in der die aus Schwefel ragenden Bäume in einer lichtdurchfluteteren Tiefe zu sehen sind. Schon deswegen muss ich nochmal zu den Cenoten zurück ... For fun und wer weiß, vielleicht irgendwann für Cave 1?
Die Antwort auf meine Frage an mich selbst, ob mir das Tauchen an/in Höhlen gefallen könnte lautet jedenfalls: JA.