anbei mal einfach rein kopiert in diesen Thread zwei Facebookbeiträge die ich im Laufe unsrer Åalandwracktour erstellt habe. Die Tour war ein voller Erfolg, ganz vielen Dank an Dirk für die perfekte Organisation
Viele Grüße Rocco
Beitrag vom 12.06.24
Der 2. Tauchtag unser Fördeschlosser-Åalandtour geht erfolgreich zu Ende. Gestern betauchten wir den Flying-P-Liner “Plus” und heute nutzten wir das perfekte Tauchwetter und tauchten an dem Frachtschiff SS Belliver und dem Behördenschiff “Gävle”. Das 58m lange Dampfschiff “Belliver” wurde 1903 in England gebaut und war seit 1911 in der Ostsee vermisst. Das Schiff war mit einer Ladung Bauholz auf dem Weg aus dem finnischen Pori ins englische Plymouth. Dort kam Belliver nie an, lediglich ein Rettungsboot mit drei erfrorenen Seeleuten wurde einige Wochen später in der südlichen Ostsee gefunden. Erst 2009 wurde der Dampfer bei der Suche nach einem russischen Ubootwrack östlich der Åalandinseln in 31m Wassertiefe entdeckt. Das Schiff ist sehr gut erhalten und es enthält jede Menge Artefakte. Navigationsinstrumente, die Schiffsglocke, Steuerräder, Messingtafeln und viele andere Dinge befinden sich noch an ihrem Platz. Die Sicht war mit >10m sehr gut, lediglich die Wassertemperatur von 2-3°C machte den Tauchgang anspruchsvoll. Morgen wollen wir unter anderem dieses schöne Schiff noch mal besuchen. Thanks to Ville Lundqvist for the fantastic dive trip…
(Unterwasserfotos von Steffen Schmitt)
Betrag vom 15.06.24
Heute haben wir die Rückreise unserer Fördeschlosser-Åalandtour angetreten. Wir haben in den letzten Tagen bei perfekten Wetterbedingungen tolle Wracks wie die Dampffrachter Hesparius, Belliver, Helge, den Dampfeisbrecher Hindenburg, das Segelschiff Plus, die Tjalk Nederland, die Yacht Caskelot und das Forschungsschiff Gävle betaucht. Ville von Diveåland war der richtige Mann mit dem richtigen Boot für diese Tour. Danke für die entspannten Tauchausfahrten, das leckere Essen und den guten Service auf deinem Boot. Mein persönlicher Favorit war das Wrack “Helge”. Es ist ein sehr altes, wunderschönes, kombiniertes Dampf/-Segelschiff. SS Helge ruht perfekt konserviert in 50m Tiefe, aufrecht auf dem kiesigen Sandgrund. Das fehlende Licht und die niedrige Wassertemperatur (wir hatten 2°C) machen diesen tollen Erhaltungszustand möglich. Das 61m lange Schiff wurde 1869 in Schottland als Dreimaster mit Dampfmaschine gebaut. Während des 1. Weltkriegs fuhr die Helge im Liniendienst zwischen Schweden und Finnland für einen Reeder von den Åalandinseln. Das Schiff wurde 1915 im Seegebiet zwischen Schweden und Åaland von einem deutschen Uboot gestoppt und kontrolliert. Da die Ladung u.a. Fässer mit Schwarzpulver beinhaltete, vermutete der dt. Kommandant das dies für die feindliche russische Armee gedacht war und er versenkte die Helge. Vorher durfte die Besatzung in die Boote gehen und rettete sich nach Åaland. Die Fässer mit dem Schwarzpulver sind noch heute im Wrack zu sehen. Der Tauchgang zur Helge beginnt mit einem Abstieg entlang der Shotline in die grünlich-dunklen Tiefen des baltischen Meeres. Ich liebe diesen Fall in die dunkle, klare aber auch kalte Tiefe. Schon ab 35m Tiefe tauchen im Schein der Lampe die ersten Wrackstrukturen auf. Das Gewicht liegt direkt zwischen dem ehemaligen Navigationsdeck und dem Bug in dem sich die Unterkünfte der einfachen Seeleute befanden. Jörn und ich erkunden als erstes den Bug. Die vielen Details im Crewdeck sind faszinierend. Der Bug ist imposant, steil ragt er vom Grund auf. Dort liegt Geschirr, Laternen und es gibt eine kleine Küche. Auf dem Weg zum Heck des Schiffes gehts vorbei am Navigationsdeck. Hier tobt sich gerade Steffen mit seiner Kamera aus und hat diese ganze Szenerie mit starken Videolampen in ein diffuses Licht getaucht. In dem Bereich gibt es viele Dinge zu sehen, die an den meisten Wracks schon lange verschwunden sind wie z.B. die Schiffsglocke, ein Kompass, ein Log, das Steuerrad und der Maschinentelegraf der in das dunkle, klare Wasser ragt. Wir überqueren Laderäume voll mit Fässern (Schwarzpulver) und großen Glasgefässen, die aussehen wie Weinballons. Dann kommt der Bereich der Dampfmaschine. Hier gibt es wunderschöne Niedergänge ins Schiff. In den von dort abgehenden Räumen gibt es wieder viele Details zu bewundern. Und wenn es nur die Messingbeschläge der alten Türen und Möbel sind. Das Heck der Helge ist zerstört, aber das Notruder steht intakt, wunderschön hinter dem Wrack auf dem Grund. Es wird Zeit aufzutauchen und diesen faszinierenden Ort zu verlassen. Die Kälte ist mittlerweile durch den Anzug gekrochen und ich sehne die oberen Wasserschichten mit kuschligen 7° Wassertemperatur herbei.
(Unterwasserfotos von Steffen Schmitt) In der Brücke der Hindenburg Die SS Helge Auf dem Weg zum Tauchplatz Der Maschinentelegraf der Helge im Hintergrund das Navigationsdeck Schiffsglocke der Belliver auf der Brücke Das Dampfschiff Belliver Der Maschinentelegraf der Belliver im Maschinenraum